In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren? Unser Zusammenleben, Politik und Wirtschaft – ja, diese Frage ist zeitlos und so wahrscheinlich auch gar nicht zu beantworten. Die Antwort wäre viel zu komplex. Ist die Frage denn überhaupt relevant? Es ändert sich doch sowieso nix!

Doch das könnte sich ändern. Die Frage gewinnt an Relevanz – in der Krise. Denn Krisen haben das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen. Hast du vielleicht schon mal in einem krisengeschüttelten Unternehmen gearbeitet? Dann weißt du aus eigener Erfahrung, wie eine Krise Veränderungen ermöglicht oder herbeiführt, die vorher noch undenkbar waren. Wenn du das noch nicht erlebt hast, die Chance ist gerade durch die unmittelbaren Auswirkungen des Coronavirus deutlich gestiegen.

Whatever it takes!

Wie wir leben, wie wir uns verhalten und vielleicht sogar wie wir denken, das hängt entschieden vom System ab, in dem wir uns befinden. Zentrale Instanzen haben typischerweise eine Vorstellung von einem Ideal, welches sie versuchen zu verteidigen, ja möglichst irgendwie stabil zu halten.

Das gilt für die Politik ganz ähnlich wie auch für Unternehmen. Das gilt zum Beispiel für die Eurorettung. Der Euro soll mit allen Mitteln erhalten werden – „Whatever it takes“. Er ist scheinbar die ideale Währung. Und das gilt für Strukturen in Unternehmen, selbst wenn diese schon lange nicht mehr zum komplexen Marktumfeld passen. Es gibt scheinbar die eine ideale Organisation. Zumindest aus zentraler Sicht.

Die zentrale Instanz steuert, stellt Regeln auf und etabliert das System. Das Gesellschaftssystem, das Wirtschaftssystem, die Unternehmensorganisation usw. Die Freiheit des Einzelnen wird dadurch eingeschränkt, ob nun im negativen oder positiven Sinne. Der Erfolg der Gesellschaft, der Volkswirtschaft oder des einzelnen Unternehmens hängt dann maßgeblich davon ab, wie gut die Entscheidungen der zentralen Instanz sind, wie gut oder passend sie das Regelwerk aufgebaut haben, wie gut sie steuern.

Staaten und Unternehmen scheitern nicht, weil sie die „falschen“ Bürger oder Mitarbeiter haben. Sie scheitern, wenn die Steuerung versagt, die Regierung oder die Unternehmensführung an der Realität vorbei steuert und an Idealen haften bleibt, die nicht mehr zu den Problemen der Zeit passen.

Das Coronavirus löscht die Nebelkerzen

Die Coronavirus-Pandemie und die damit ausgelöste Erkrankung der Menschen an COVID-19 ist tragisch. Die direkten Folgen sind unübersehbar und in allen erdenklichen Medien präsent, wenn nicht überpräsent. Mir geht es hier aber um die möglichen indirekten Folgen – um die eingangs gestellte Frage.

Crash welcome – Vorbereitung auf das Unbekannte

In „Alle reden von der Krise“ behauptete ich, dass Finanzcrashs nicht oder nur sehr eingeschränkt vorhersehbar sind. Echte Krisensituationen sind per Definition nicht planbar, sonst wären es ja keine. Selbst eine offenkundige Schieflage, wie man die weltweite Verschuldung und Negativzinsen interpretieren könnte, sprechen nicht gleich automatisch für einen Crash des Finanzsystems. Ja auch dann nicht, wenn der Zusammenbruch vielleicht gar nicht mehr abgewendet werden kann.

In dem Artikel aus Oktober 2019 schreibe ich auch von Crash-Propheten, die im Jahresrhythmus Krisen vorhersehen, bis dann tatsächlich eine eintritt. Es weiß eben niemand so genau, wann eine Krise ausbricht und welchen Verlauf diese nimmt. In diesem zweite Teil gehe ich der Frage nach, ob man sein Anlageverhalten oder die Asset-Allocation auf Grund erhöhtem Krisenalarm ändern sollte.

11. Finanzwesir Treffen Zelle Kassel

Das erste Community Treffen 2020 steht vor der Tür. Am 19. Februar spielen wir (wer mag) das Cash Flow Game. Jörg Uhlenbrock wird das Spiel moderieren, sodass wir direkt starten können.

Rentenbescheid Update Q4/2019

Der Bullenmarkt ist intakt und zog im letzten Quartal 2019 noch einmal zum Endspurt an. Nach der Jahresend-Rallye steht bei dem Weltaktienmarkt-Index FTSE All-World ein Plus von knapp 30% zu Buche. Das liegt deutlich über der durchschnittlichen Rendite von Aktienmärkten.

Anteilskauf

Im letzten Quartal viel es richtig schwer, noch einmal auf den Knopf zu drücken und Anteile zu kaufen. Aber Plan ist Plan. Also Emotionen ausschalten und durch. Es wurden sowohl wie schon in Q3 Anteile am iShares MSCI Core World gekauft als auch am iShares MSCI Core Emerging Markets IMI. Beide ETFs sind Bestandteil des Coffein-Portfolios.

Der aktuelle Stand zum Jahresende

Durch die Rallye an den Börsen, der weiteren Reduzierung der Darlehen und den ETF-Zukäufen, macht der ganz private Rentenbescheid eine gute Figur:

  • Prognostizierte monatliche Nettorente aus eigenem Gesamtkapital zum Jahr 2038: 530,07 € (Q3: 343 €)
  • Prognostizierte monatliche Nettorente aus risikolosem Anteil im Jahr 2038: 67,08 € (Q3: 65 €)

Verlauf im Jahr 2019

minimale Rente (blau) und Prognose (orange)

Ich nehme meine Geldgeschäfte selbst in die Hand

Ein Gastartikel von Bertram Kasper

Für mich war es wie ein Déjà-vu als ich mit meiner Tochter auf dem Work X Festival 2019 im Zollverein in Essen im Trainingsraum „Finanzielle Selbstständigkeit“ von Torben Müller war. Sein Thema: „Erst schlau, dann (vielleicht) reich – werde Autor deiner Finanzen“. Es gab einen Unterschied am 7.9.2019. Heute war ich nicht 25 Jahre alt, sondern meine Tochter.

Im gleichen Alter, ich hatte gerade meine erste Stelle in Marburg angetreten, wollte ich meine Finanzen regeln und für die Zukunft aufstellen. Damals machte ich mich auf, fünf Marburger Geld Institute (Banken) zu besuchen. Ich hatte an alle die gleiche Frage: ich wolle einmalig 10.000 DM und jeden Monat 600 DM anlegen und war gespannt was mir die Finanzexperten raten würden.

Und, wen wundert es, die Berater boten mir für die 10.000 DM ihre eigenen Fonds an und für die monatliche Anlage sollte ich 70 % des Betrages in angeblich notwendige Versicherungen stecken. Die verbleibenden 30 % sollte ich dann monatlich wiederum in die eigenen Papiere des jeweiligen Instituts anlegen.

Bei dieser Strategie steht dann nicht meine eigene Rendite, sondern die Rendite des jeweiligen Instituts im Vordergrund. Damals, und daran kann ich mich noch gut erinnern, war ich geschockt und verärgert über die angebliche Expertise dieser Banker.

Ich nehme meine Geldgeschäfte selbst in die Hand

Von diesem Tag an war mir klar, dass ich meine Geldgeschäfte selbstbestimmt in die Hand nehme und ausschließlich mir selbst vertraue.