Aktiv vs. Passiv – der Ruf der Sirenen

Die historische Rendite des weltweiten Aktienmarkts liegt bei ungefähr 7,5% pro Jahr. Je nachdem, welche Region und welchen Zeitraum man wählt, kommt man auch auf ganz andere Zahlen. Darauf kommt es hier aber nicht an.

Diese Rendite hat man in der Vergangenheit also im Durchschnitt langfrisitg bekommen, wenn man ganz stur in den Weltaktienindex investiert hat, sich also nicht für eine Aktienauswahl und auch nicht für taktische Kauf- und Verkaufszeitpunkte entschieden hat.

Die Statistik ist eindeutig

Die nackten Zahlen urteilen über aktiv verwaltete Investmentfonds vernichtend. Nach einer Morning-Star Studie1 schafft es nach 10 Jahren nur etwa jeder fünfte aktiv verwaltete Aktienfonds noch besser zu sein als der Index. Zur Erinnerung: Aktiv verwaltete Aktienfonds sind teuer. Ein Kauf ist gleichbedeutend mit einer Wette im Verhältnis 1:5 gegen dich. Geht die Wette auf, stehst du besser da als der Marktdurchschnitt. Der Erwartungswert ist allerdings, wie beim Lotto, negativ.

Rentenbescheid Corona Update Q1/2020

„Der Bullenmarkt ist intakt und zog im letzten Quartal 2019 noch einmal zum Endspurt an.“, schrieb ich noch im Q4/2019-Update. Doch das ist schon wieder Geschichte. Das Corona-Virus hat den Bullenmarkt erstmal beendet. Der Kurssturz hat seine Wirkung auf meinen eigenen Rentenbescheid auf Basis meiner Investments nicht verfehlt.

Der Wasserstand zu Q1/2020

Das Ziel-Jahr ist nach wie vor 2038. Für die Hochrechnung der Rendite bleibt ein Jahr weniger als noch 2019. Ich rechne hier nicht monatsgenau, die Zahlen sind vom Prinzip her ja schon „scheingenau“. Die prognostizierte self-made Rente sackt um gut 172 Euro ab:

  • Prognostizierte monatliche Nettorente aus eigenem Gesamtkapital zum Jahr 2038: 357,35 € (Q4: 530,07 €)
  • Prognostizierte monatliche Nettorente aus risikolosem Anteil im Jahr 2038: 67,08 € (Q4: 67,08 €)

Anteilskauf – mit Abweichung vom Anlageplan

Strikt nach Anlageplan erwerbe ich immer einen Baustein des Coffein-Portfolios pro Quartal. Der Zeitpunkt im Quartal ist nicht festgelegt. Je nach Liquidität oder Markteinschätzung kaufe ich irgendwann im Dreimonatszeitraum. In einem der vier Quartale erwerbe ich zusätzliche ETF-Anteile, um die jährlich anfallenden Dividendenzahlungen auf einen Rutsch zu reinvestieren.

Im ersten Quartal 2020 bin ich von meinem Plan ein wenig abgewichen. Ein Vorgehen, vor dem ich selbst warne. Denn Statistiken zeigen eindrucksvoll, dass Versuche, eine Überrendite durch Markt-Timing zu erzielen, nicht nachhaltig funktionieren.

Für die Reinvestition der Dividenden lasse ich mir jedoch den Spielraum. Wichtig ist nur, dass sie einmal pro Jahr reinvestiert werden. Dieses Pulver habe ich Anfang März verschossen, die 2020er Dividenden sind quasi schon investiert. Die Kurse sollten im Verlauf des März allerdings noch deutlich fallen.

Die Kurskorrekturen haben mich dazu veranlasst, den Q2/2020-Einkauf vorzuziehen. Ende März habe ich also die für das zweite Quartal vorgesehene Transaktion bereits durchgeführt. Nach der aktuellen Erholung der Märkte kein schlechter Zeitpunkt. Sollten die Märkte aber ihren Weg in einen Bärenmarkt finden, war ich zu voreilig. Nobody knows!

Taktik für die zweite Jahreshälfte 2020

Es bleiben zwei Quartale für die planmäßigen Investitionen. Im zweiten Halbjahr werde ich ähnlich vorgehen wie im ersten: Sollten die Aktienmärkte noch einmal in eine Art Corona-Panik verfallen, was ich für durchaus möglich halte, ziehe ich den Q4-Kauf möglicherweise in das dritte Quartal vor. Bei einer anschließenden Erholung der Märkte profitiere ich von der Planabweichung. Läuft die Börse allerdings in einen länger anhaltenden Bärenmarkt, kaufe ich teurer als bei sturer Planausführung. Ich gehe also eine kleine Wette ein innerhalb des sonst strikten Anlagenplans.

Podcast-Episode zum Artikel

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren? Unser Zusammenleben, Politik und Wirtschaft – ja, diese Frage ist zeitlos und so wahrscheinlich auch gar nicht zu beantworten. Die Antwort wäre viel zu komplex. Ist die Frage denn überhaupt relevant? Es ändert sich doch sowieso nix!

Doch das könnte sich ändern. Die Frage gewinnt an Relevanz – in der Krise. Denn Krisen haben das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen. Hast du vielleicht schon mal in einem krisengeschüttelten Unternehmen gearbeitet? Dann weißt du aus eigener Erfahrung, wie eine Krise Veränderungen ermöglicht oder herbeiführt, die vorher noch undenkbar waren. Wenn du das noch nicht erlebt hast, die Chance ist gerade durch die unmittelbaren Auswirkungen des Coronavirus deutlich gestiegen.

Whatever it takes!

Wie wir leben, wie wir uns verhalten und vielleicht sogar wie wir denken, das hängt entschieden vom System ab, in dem wir uns befinden. Zentrale Instanzen haben typischerweise eine Vorstellung von einem Ideal, welches sie versuchen zu verteidigen, ja möglichst irgendwie stabil zu halten.

Das gilt für die Politik ganz ähnlich wie auch für Unternehmen. Das gilt zum Beispiel für die Eurorettung. Der Euro soll mit allen Mitteln erhalten werden – „Whatever it takes“. Er ist scheinbar die ideale Währung. Und das gilt für Strukturen in Unternehmen, selbst wenn diese schon lange nicht mehr zum komplexen Marktumfeld passen. Es gibt scheinbar die eine ideale Organisation. Zumindest aus zentraler Sicht.

Die zentrale Instanz steuert, stellt Regeln auf und etabliert das System. Das Gesellschaftssystem, das Wirtschaftssystem, die Unternehmensorganisation usw. Die Freiheit des Einzelnen wird dadurch eingeschränkt, ob nun im negativen oder positiven Sinne. Der Erfolg der Gesellschaft, der Volkswirtschaft oder des einzelnen Unternehmens hängt dann maßgeblich davon ab, wie gut die Entscheidungen der zentralen Instanz sind, wie gut oder passend sie das Regelwerk aufgebaut haben, wie gut sie steuern.

Staaten und Unternehmen scheitern nicht, weil sie die „falschen“ Bürger oder Mitarbeiter haben. Sie scheitern, wenn die Steuerung versagt, die Regierung oder die Unternehmensführung an der Realität vorbei steuert und an Idealen haften bleibt, die nicht mehr zu den Problemen der Zeit passen.

Das Coronavirus löscht die Nebelkerzen

Die Coronavirus-Pandemie und die damit ausgelöste Erkrankung der Menschen an COVID-19 ist tragisch. Die direkten Folgen sind unübersehbar und in allen erdenklichen Medien präsent, wenn nicht überpräsent. Mir geht es hier aber um die möglichen indirekten Folgen – um die eingangs gestellte Frage.

Crash welcome – Vorbereitung auf das Unbekannte

In „Alle reden von der Krise“ behauptete ich, dass Finanzcrashs nicht oder nur sehr eingeschränkt vorhersehbar sind. Echte Krisensituationen sind per Definition nicht planbar, sonst wären es ja keine. Selbst eine offenkundige Schieflage, wie man die weltweite Verschuldung und Negativzinsen interpretieren könnte, sprechen nicht gleich automatisch für einen Crash des Finanzsystems. Ja auch dann nicht, wenn der Zusammenbruch vielleicht gar nicht mehr abgewendet werden kann.

In dem Artikel aus Oktober 2019 schreibe ich auch von Crash-Propheten, die im Jahresrhythmus Krisen vorhersehen, bis dann tatsächlich eine eintritt. Es weiß eben niemand so genau, wann eine Krise ausbricht und welchen Verlauf diese nimmt. In diesem zweite Teil gehe ich der Frage nach, ob man sein Anlageverhalten oder die Asset-Allocation auf Grund erhöhtem Krisenalarm ändern sollte.

11. Finanzwesir Treffen Zelle Kassel

Das erste Community Treffen 2020 steht vor der Tür. Am 19. Februar spielen wir (wer mag) das Cash Flow Game. Jörg Uhlenbrock wird das Spiel moderieren, sodass wir direkt starten können.