Rente aus Dividende

Monatlich 150 Euro einzahlen für eine ganz eigene Rente von 500 Euro und zusätzlich ein Kapital von 250.000 Euro als Puffer, wie hört sich das an?

Wir rechnen dieses Beispiel in diesem Artikel gemeinsam durch. Alles, was du brauchst, sind Zeit und Disziplin.

Dieser Artikel ist zusammen mit vielen weiteren Beiträgen in der Juli-Ausgabe des GELDMAG erschienen, das ihr euch hier sichern könnt: https://finanzfeed.de/geldmag/ – Einen Index zu allen Artikel zum Thema Dividenden findet ihr auch auf dem Finanzplanet-Blog!

Die Ansparphase

In unserem Beispiel dauert die Ansparphase 30 Jahre. Ich sage ja: Zeit und Disziplin. Das sind zwei der wichtigsten Zutaten für erfolgreichen Vermögensaufbau – nicht der nächste Tweet. Wenn du jünger als 35 bist, kannst du deine ganz eigene Zusatzrente bis zum 65 Lebensjahr noch locker aufbauen.

Exkurs I: Dividende vs. Reinvestition

Gute Unternehmen generieren Cashflow. Für die Überschüsse gibt es grundsätzlich zwei Verwendungsarten: Ausschüttung an die Eigentümer (Dividende) oder Investition in Wachstum (Reinvestition, z. B. Produktionsanlagen, Forschung und Entwicklung, …). Die Investitionen führen in der Regel zu zukünftig höheren Gewinnen. Das lohnt sich.

Für die Ansparphase macht es also sogar Sinn auf hohe Ausschüttungen zu verzichten oder diese direkt wieder selbst zu reinvestieren. Dazu nutzt du einen akkumulierenden, also nicht ausschüttenden, kostengünstigen Fonds wie zum Beispiel einen ETF auf den Vanguard FTSE All-World Index. Wenn du doch lieber mit einem ausschüttenden Fonds starten möchtest, solltest du die Disziplin mitbringen die Ausschüttungen direkt wieder zu reinvestieren.

Eine Geldanlage in einen weltweit investierenden Aktienfonds ergab historisch ungefähr eine Rendite von 7% pro Jahr. Diese Zahl nehmen wir als Rendite für die Ansparphase. 150 Euro pro Monat sind 1.800 Euro pro Jahr. In 30 Jahren hättest du damit 54.000 Euro in den Aktienmarkt investiert. Dazu kommt eine kumulierte Wertentwicklung in Höhe von 122.000 Euro.

Der Depotstand am Ende der Ansparphase beträgt dann satte 176.000 Euro. Das Beispiel kannst du auf freien Sparrechnern online nachrechnen.

Die Dividendenphase

Für die deutlich angenehmere zweite Phase betrachten wir in unserem Beispiel einen Zeitraum von 15 Jahren. Jetzt schichtest du das angesammelte Kapital in einen weltweit investierenden Dividenden-ETF um oder stellst dir dein ETF-Portfolio mit einzelnen Dividenden ETFs ganz individuell nach deinem Geschmack zusammen.

Nehmen wir an, dass die Dividenden-ETFs mit 6% pro Jahr rentieren und davon im Durchschnitt 3,4% ausschütten. Damit ergibt sich eine rechnerische Brutto-Rente von 500,- Euro monatlich im ersten Jahr der Dividendenphase. Da die Gesamtrendite größer ist als die Dividendenrendite, wächst das Kapital sogar weiter an. Am Ende der hier betrachteten Dividendenphase (nach insgesamt also 45 Jahren) ist das investierte Kapital auf über 250.000 Euro angewachsen. Die Brutto-Rente steigt auf über 700,- Euro monatlich an.

Exkurs II: Dividende vs. Anteilsverkauf

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass nur Dividendenaktien Cashflow ermöglichen und sie daher zu bevorzugen sind. Das ist falsch. Du kannst auf zwei Wegen entsparen: Entnahme in Form einer Dividende oder per Anteilsverkauf. Durch die Ausschüttungen verringert sich der Cash-Bestand im Unternehmen. Schüttet ein Unternehmen keine Dividende aus, verbleibt das Geld im Unternehmen (siehe Exkurs I). Ein Käufer der Aktie dieses Unternehmens wird mehr für die Anteile zahlen, als wenn bereits Substanz durch gezahlte Dividende fehlt. Es ist im Prinzip unerheblich, ob du deinen Cashflow aus einer Dividende oder dem Verkauf von Anteilen ziehst.

Die Praxis

Nun ist es immer schön ein theoretisches Rechenbeispiel zu bauen. Die Realität sieht dann aber etwas anders aus.

Nicht berücksichtigt sind die Kosten der Anlageprodukte und die Kapitalertragsteuer, die das Kapitalwachstum bremsen. Niemand weiß, wie sich die Steuergesetzgebung innerhalb der langen Zeit ändert. Sie sind hier nicht Teil der Betrachtung.

In der echten Welt sind die Renditen nicht gleich verteilt. Was am Ende auf eine durchschnittliche Rendite von 7% hinausläuft, kann durch Crash- und Boom-Jahre einer Achterbahnfahrt ähneln. Nicht jeder Zeitraum über 45 Jahre ist gleich. Dadurch wird man in der Praxis immer abweichende Werte gegenüber der Modellrechnung bekommen.

Aber alles das sollte dich nicht davon abhalten, deine ganze eigene Rente aus Dividende aufzubauen. Schau dazu gerne auf meinem reflect-ion.de vorbei. Ich lasse dich teilhaben an meinem eigenen Rentenbescheid.

Bitcoin – alles oder nichts?

Ich habe mich lange schwer getan mit Bitcoin. Ich gebe zu, ich habe ihn zu lange ignoriert, in dem Sinne als dass ich Bitcoin als Anleger nicht als attraktiv angesehen habe. Hat sich meine Meinung geändert? Jein. Ich möchte euch zwei Sichtweisen auf Bitcoin anbieten. Entscheidet selbst.

Bitcoin ist nichts

Bitcoins werden mit Hilfe einer Reihe von Nullen und Einsen repräsentiert, die für uns unsichtbar auf Magnetplatten oder Flashspeichern verwahrt werden. Einige dieser Magnetzustände liegen bereits unauffindbar auf Mülldeponien, sehr zum Ärger der ursprünglichen Besitzer.

Geld sicher anlegen – die falsche Frage?

Vor kurzem hat mich eine Einladung zur Blogparade „Sichere Geldanlage 2021“ erreicht. Bevor ich zur Tastatur griff, fragt ich mich, warum nicht „Geldanlage 2021“ oder einfach nur „Geldanlage“?

Naja, uns Deutschen wird ja die „German Angst“ nachgesagt. Demnach haben wir wohl vor allem Angst, so auch vor dem Verlust von Geld. Genauer muss man von dem Verlust der Kaufkraft sprechen. Denn Geldscheine kann man im Keller bunkern oder in ein Schließfach sperren. Das Geld will also angelegt werden, aber sicher.

Sicher ist nur, dass nichts sicher ist

Wenn es um die Lösung des Problems geht, Kaufkraft vollständig zu erhalten oder sogar zu steigern, gibt es keine zuverlässige Methode. Wirtschaft, Politik und Finanzmärkte sind komplexe Systeme. Im Gegensatz zu rein komplizierten Systemen, existieren nicht ausschließlich kausale Zusammenhänge. Ein Beispiel für ein kompliziertes System ist eine Maschine: Gebe ich immer den gleichen Input rein, kommt auch jedes mal das gleiche Ergebnis raus. Das ist im komplexen System „Finanzmarkt“ nicht so. Daher ist er ja auch so spannend.

Lies diesen Artikel auch im neuen GELDMAG zusammen mit 41 anderen Meinungen!

Hier einige Versuche Geld sicher anzulegen und ihre Albträume:

  • Bargeld, Girokonto, Tagesgeld, Festgeld
    • (Hyper-) Inflation (1923)
    • Währungsreform (1948)
  • Gold
    • Verbot von Goldbesitz (1923 in Deutschland, 1922 USA)
    • Risiko der Kursschwankung
  • Immobilien
    • Eigentum verpflichtet (§ 14 GG): Zwangshypothek (1952), Grundsteuer
    • Risiko Preisverfall, Instandhaltungskosten
  • Aktien, Anleihen, Rohstoffe
    • Crash-Risiko
  • Lebens-/Rentenversicherung
    • Inflation, Währungsreform
    • Emittentenrisiko
  • Bitcoin
    • tba…

Eine Frage der Perspektive

Es gibt also keine zuverlässig „richtige“ Antwort auf die Frage, wie du dein Geld 2021 sicher anlegen kannst. Wir müssen anders an das Thema heran. Wenn alle Geldanlagen, ja selbst das Bankschließfach, potenziell unsicher sind, kommt es auf die Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen an. Während sich Bargeld zumindest nominell nicht im Wert ändert, schwanken Aktien, Rohstoffe, Anleihen usw. stark im Kurs.

Um es einfach zu halten, entscheide ich mich hier beispielhaft für vier Anlageklassen in nur zwei Produkten:

  1. Tagesgeld oder Festgeld bis 100.000 Euro (Einlagensicherung)
  2. Weltweit gemischtes Portfolio aus Aktien, Anleihen und Rohstoffen (ARERO Weltfonds)

Gehen wir davon aus, dass der Fragesteller nach der sicheren Geldanlage sonst noch keine Vermögenswerte außer sein Humankapital hat. Das Portfolio kann aus Position 1 (Cash) und Position 2 (ARERO) zusammengestellt werden.

Rentenbescheid Update Q4/2020

Ein denkwürdiges Jahr 2020 geht langsam dem Ende zu. Die Problemliste für die Weltwirtschaft und die Gesellschaft ist länger als mancher Wunschzettel zu Weihnachten. Die Pandemie führt diese Liste an und stellt gleichzeitig so mache Baustelle in den Schatten.

Was kann man aus diesem Jahr 2020 aus der Investorensicht lernen? Wenn ich diese Frage beantworten müsste, dann wäre es: Durchhalten ist ein Erfolgsrezept. Trotz allen Umständen lohnt es sich meist an der eingeschlagenen Strategie festzuhalten. So auch in diesem Jahr. Ich habe meinen ganz persönlichen Rentenbescheid weiter mit Substanz gefüttert. Hier die Zeitpunkte der Käufe und der ETFs aus dem Coffein Portfolio:

DatumETFKaufkurs
29.01.2020iShares MSCI Core Emerging Markets IMI26,80 EUR
23.03.2020Vanguard FTSE All-World High Dividend36,01 EUR
28.08.2020iShares MSCI Core World55,89 EUR
22.10.2020iShares MSCI Core World55,34 EUR
Der Kauf für Q2 wurde vorgezogen und schon im März ausgeführt

Einzig im März konnte man zu wirklich deutlich günstigeren Preisen einkaufen. Mein Ausführungsplan sieht einen Kauf pro Quartal vor. Von diesem Plan bin ich im März abgewichen und habe den Vanguard FTSE All-World High Dividend zum Angebotspreis gekauft. In Q3 und Q4 hatten sich die Börsen dann bereits wieder erholt.

Der aktuelle Stand zu Q4 / 2020

  • Prognostizierte monatliche Nettorente aus eigenem Gesamtkapital zum Jahr 2038: 789,51 € (Q3: 698,57 €)
  • Prognostizierte monatliche Nettorente aus risikolosem Anteil im Jahr 2038: 72,92 € (Q3: 67,08 €)

Die Entwicklung im Chart

Podcast-Episode zum Artikel

Reflect-ion
Reflect-ion
Folge 27: Das Erfolgsrezept 2020, Marc Friedrich und Andreas Beck
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Die wichtigsten Unterscheidungen für Deinen Umgang mit Geld

Unterscheidungen fördern Erkenntnis. Wenn wir das eine von dem anderen Abgrenzen und darüber nachdenken, was genau den Unterschied ausmacht, gewinnen wir Einsichten, die wir für unsere Geldentscheidungen bewusst nutzen können.

Ein paar der wichtigsten Unterscheidungen, die uns im Umgang mit Geld und unseren privaten Finanzen hilfreich sind, stelle ich in diesem Artikel vor. Findet ihr weitere wichtig? Dann lasst sie gerne in den Kommentaren hier.

Konsumieren vs. Sparen

Eine simple, aber wichtige Unterscheidung besteht zwischen dem Konsum und dem Sparen. Wenn man sich mal fragt, was man mit Geld, sei es Bargeld oder das Geld auf dem Bankkonto, machen kann, dann gibt es da erst einmal nur zwei sinnvolle Möglichkeiten. Natürlich, mit Geld kann man alles Mögliche machen. Aber alle noch so kreativen Varianten kann man, wenn man mal von dem Vernichten der Geldscheine absieht, auf genau zwei fundamentale Verwendungsarten des Geldes reduzieren: Sparen und konsumieren.