Geld sicher anlegen – die falsche Frage?

Vor kurzem hat mich eine Einladung zur Blogparade „Sichere Geldanlage 2021“ erreicht. Bevor ich zur Tastatur griff, fragt ich mich, warum nicht „Geldanlage 2021“ oder einfach nur „Geldanlage“?

Naja, uns Deutschen wird ja die „German Angst“ nachgesagt. Demnach haben wir wohl vor allem Angst, so auch vor dem Verlust von Geld. Genauer muss man von dem Verlust der Kaufkraft sprechen. Denn Geldscheine kann man im Keller bunkern oder in ein Schließfach sperren. Das Geld will also angelegt werden, aber sicher.

Sicher ist nur, dass nichts sicher ist

Wenn es um die Lösung des Problems geht, Kaufkraft vollständig zu erhalten oder sogar zu steigern, gibt es keine zuverlässige Methode. Wirtschaft, Politik und Finanzmärkte sind komplexe Systeme. Im Gegensatz zu rein komplizierten Systemen, existieren nicht ausschließlich kausale Zusammenhänge. Ein Beispiel für ein kompliziertes System ist eine Maschine: Gebe ich immer den gleichen Input rein, kommt auch jedes mal das gleiche Ergebnis raus. Das ist im komplexen System „Finanzmarkt“ nicht so. Daher ist er ja auch so spannend.

Hier einige Versuche Geld sicher anzulegen und ihre Albträume:

  • Bargeld, Girokonto, Tagesgeld, Festgeld
    • (Hyper-) Inflation (1923)
    • Währungsreform (1948)
  • Gold
    • Verbot von Goldbesitz (1923 in Deutschland, 1922 USA)
    • Risiko der Kursschwankung
  • Immobilien
    • Eigentum verpflichtet (§ 14 GG): Zwangshypothek (1952), Grundsteuer
    • Risiko Preisverfall, Instandhaltungskosten
  • Aktien, Anleihen, Rohstoffe
    • Crash-Risiko
  • Lebens-/Rentenversicherung
    • Inflation, Währungsreform
    • Emittentenrisiko
  • Bitcoin
    • tba…

Eine Frage der Perspektive

Es gibt also keine zuverlässig „richtige“ Antwort auf die Frage, wie du dein Geld 2021 sicher anlegen kannst. Wir müssen anders an das Thema heran. Wenn alle Geldanlagen, ja selbst das Bankschließfach, potenziell unsicher sind, kommt es auf die Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen an. Während sich Bargeld zumindest nominell nicht im Wert ändert, schwanken Aktien, Rohstoffe, Anleihen usw. stark im Kurs.

Um es einfach zu halten, entscheide ich mich hier beispielhaft für vier Anlageklassen in nur zwei Produkten:

  1. Tagesgeld oder Festgeld bis 100.000 Euro (Einlagensicherung)
  2. Weltweit gemischtes Portfolio aus Aktien, Anleihen und Rohstoffen (ARERO Weltfonds)

Gehen wir davon aus, dass der Fragesteller nach der sicheren Geldanlage sonst noch keine Vermögenswerte außer sein Humankapital hat. Das Portfolio kann aus Position 1 (Cash) und Position 2 (ARERO) zusammengestellt werden.

Perspektiven

Im Wesentlichen gibt es drei wichtige Dimensionen, die bei der Festlegung der Anteile, helfen:

  1. Zeit
    Über welchen Zeithorizont soll das Geld angelegt werden?
  2. Liquidität
    Habe ich ausreichend Cash-Puffer, um unvorhersehbare Ereignisse finanziell abzufangen? (Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Reparatur Auto, Instandsetzung Immobilie, …)
  3. Risiko-Typ
    Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen? Welche Kursschwankungen halte ich aus?

Weil ich gerne das Stilmittel der Extrembeispiel nutze, hier zwei davon. Ein Familienvater, Ende 40, selbstgestutzte fremdfinanzierte Immobilie, zwei Autos, Kinder noch im Schulalter, Selbstständig, risikoscheuer Typ wählt 90% Cash, 10% Weltportfolio. Ein Single, Anfang 30, im öffentlichen Dienst, risikofreudig, keine Immobilie, kein Auto wählt 10% Cash, 90% Weltportfolio.

Die Frage nach der sicheren Geldanlage kann nicht beantwortet werden, ohne die Frage der Perspektive zu klären.

Beide können von sich behaupten: Ich habe mein Geld 2021 sicher angelegt. Sicher im Kontext ihrer individuellen Perspektive und im Hinblick auf den langfristigen Erhalt der Kaufkraft.

Fazit

Die Antwort auf die Frage nach der sicheren Geldanlage verlangt nach der Erkenntnis: Es gibt keine Methode, die die Kaufkraft von Geld zu 100% garantiert.

Die Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen ermöglicht die Geldanlage im passenden Risikomaß.

Die Wahl der passenden Asset-Allocation hängt von deinem Kontext, deiner individuellen Perspektive ab.

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