Coffein Portfolio Update – Emerging Markets Risiken

Erstmals vorstellig wurde das ETF Portfolio für den langfristigen Vermögensaufbau im März 2020. Das „Coffein Portfolio“ besteht aus fünf ETFs. Dem klassischen Duo aus MSCI World und MSCI Emerging Markets stehen drei weitere ETFs an der Seite: Small Caps, Dividenden und Europa. Alle diese drei Erweiterungen haben ihre Funktion.

Mit der Beimischung der Small Caps soll die Rendite etwas aufgewertet werden. Kleineren Unternehmen wird gegenüber den Blue Chips ein größeres Risiko zugeschrieben, so lässt sich auf lange Sicht eine Risikoprämie vereinnahmen. Der Dividenden-ETF sorgt vierteljährlich für eine Ausschüttung. Das beruhigt die Gemüter, wenn es an der Börse mal in unruhige Fahrwasser geht und die Kurse beginnen zu schwanken. Es geht darum die Strategie langfristig durchzuhalten, auch dann, wenn sich das Börsenwetter über einen längeren Zeitraum eintrübt. Zu Guter letzt verhilft der Europa-ETF dem Europa- und Euroanteil etwas nach oben.

Chance und Risiko Emerging Markets

In jeder Abbildung der Weltwirtschaft dürfen die „Emerging Markets“ nicht fehlen. Warum aber die Industriestaaten (MSCI World) und die aufstrebenden Volkswirtschaften selbst mischen? Schließlich gibt es alles fertig abgemischt, zum Beispiel im MSCI ACWI (All Country World Index). In dem nach Markkapitalisierung gewichteten Index kommen die Emerging Markets auf einen Anteil von gut 11%.

Einmal davon abgesehen, dass die ETFs auf den MSCI ACWI erst im Laufe der Zeit verfügbar waren, kann mit dem Verhältnis zwischen den etablierten Unternehmen aus den Industrieländern und den schneller wachsenden, aber mit höheren Risiken verbundenen, Unternehmen aus den Schwellenländern, das Risiko-Maß individuell eingestellt werden.

Verlauf der Kurse in USD, Quelle: https://www.msci.com/documents/10199/149ed7bc-316e-4b4c-8ea4-43fcb5bd6523, 19.03.2022

Analog dem Beimischen von Small Caps entspricht die Erhöhung des Emerging Markets Anteils einem Versuch eine höhere langfristige Rendite zu erzielen. Dafür sind höhere Risiken und Kursschwankungen in Kauf zu nehmen. Dem schnelleren Wachstum steht ein höheres politisches Risiko gegenüber. Auch manche Abwertungsphasen der Währungen bringen zusätzliches Risiko. Politische Börsen haben kurze Beine, so sagt man. Krisen kann man aussitzen. Wenn man das schafft, wird man langfristig mit höheren Renditen belohnt. An der Börse wird man eben (auch) für die Ungewissheit bezahlt, für den Kontrollverlust.

Der Chart zeigt, dass der MSCI Emerging Markets seit März 2007 schlechter abgeschnitten hat als der MSCI World, was nicht zuletzt auch der Rallye der US-Techwerte zugeschrieben werden kann.

Weil das Coffein Portfolio auf den langfristigen Vermögensaufbau abzielt , war der Anteil des Emerging Markets ETFs höher angesetzt als er nach reiner Marktkapitalisierung sein sollte (11%). Im originalen Portfolio beträgt er 30%. Damit kommt das gesamte Portfolio dem klassischen 70/30-Ansatz nahe. Der Anteil der Schwellenländer ist im Coffein Portfolio sogar noch etwas höher, da sie auch im Dividenden ETF enthalten sind.

Prognosefrei investieren

Die Stärke der Indexabbildung liegt darin, dass man nicht schlauer sein muss oder nicht mehr wissen muss, als alle anderen, die am Aktienmarkt aktiv sind. Der Index bildet die aktuelle Meinung der Gesamtheit der Marktteilnehmer ab. Jedes einzelne Unternehmen wird von unzähligen Menschen bewertet. Und genau da, wo sich Angebot und Nachfrage einpendeln, liegt der aktuelle Preis, abgebildet an der Börse durch den Aktienkurs.

Jeder Abweichung von der reinen Marktkapitalisierung kann man grundsätzlich zwei Gründen zuschreiben:

  1. Ausnutzung systematisch vorhandener und statistisch belegbarer Überrenditen
    Durch eine Übergewichtung von Aktien durch die Anwendung bestimmter Filterkriterien steigen Risiko und Chance. Zwei Kriterien finden auch im Coffein Portfolio Anwendung: Übergewichtung Small Caps und Emerging Markets.
  2. Prognose auf Basis eigener Überlegungen oder eigener Modelle
    Durch eigene Überlegungen oder externem Input (Gerüchte, Stammtisch, Medien, …) werden Unternehmen, Branchen oder Sektoren übergewichtet. „Den Impstoffherstellern gehört die Zukunft!“, „Jetzt in Nanotech einsteigen“, …

Während Ersteres (auch Factor-Investing) genannt, langfristig funktionieren kann, weil es sich um eine logisch nachvollziehbare, systemimmanente und statistisch nachweisbare Überrendite handelt, sind Prognosen nicht dazu geeignet langfristig den Markt zu schlagen. Die höhere Gewichtung von Schwellenländern und Small Caps gehören beide zu Punkt 1.

Blockbildung und neue Weltordnung

Oder: Warum ich den Anteil der Emerging Markets trotzdem reduziere?

Der Überfall der Ukraine durch die russische Armee im Februar 2022 bringt einige als sicher verankerte Glaubenssätze ins Wanken. Frieden, Globalisierung und freie Kapitalmärkte waren neben sinkenden Zinsen und expansiver Geldpolitik der Notenbanken Treiber der Börsenhausse.

Kurz nach Ausbruch des Kriegs wurden die Börsen in Russland für ausländische Investoren geschlossen. Ein Verkauf von Aktien ist derzeit nicht möglich. Russland hatte im MSCI Emerging Markets Index einen Anteil von ca. 1,6%. Selbst ein Totalverlust wäre damit kein Problem für das Coffein Portfolio. 30% Emerkging Market * 1,6% RU-Anteil = 0,5% Verlust.

Risiken gibt es an anderer Stelle. Obwohl viele Staaten die Aggression gegenüber einem souveränen Staat verurteilen, gibt es auch zurückhaltendere Töne. China und Indien sind nur zwei Beispiele von Staaten, die sich aus meiner Sicht nicht eindeutig positionieren und ggf. mittelfristig von günstigen russischen Energieträgern profitieren könnten. Es besteht die Gefahr einer Blockbildung zwischen West und Ost, zwischen Demokratie und Autokratie, zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen Globalisierung und Protektionismus, … Der China-Anteil im MSCI Emerging Markets liegt etwa einem Drittel, Taiwan und Indien bringen zusammen ebenfalls fast ein Drittel auf die Waage.

Wird ein Staat wie China westlichen Investoren verlässlich die Gewinne ihrer Unternehmen zukommen lassen?

Risiken sind mit dem Aktienmarkt untrennbar verbunden. Langfristig lassen sich erhöhte Risiken für ein Plus an Rendite nutzen. Die mögliche Entwicklung zu einer neuen Blockbildung veranlasst mich neu über die Asset Allocation nachzudenken.

Anpassung und neue Gewichtung

Das Ergebnis: Ich reduziere den Anteil des MSCI Core Emerging Markets ETF von 30% auf 20%. Damit liegt das Coffein-Portfolio noch immer über der Gewichtung nach reiner Marktkapitalisierung. Die grundsätzliche Systematik „mehr Rendite durch höheres Risiko“ bleibt also bestehen. Das Maß der Übergewichtung wird aber deutlich reduziert.

Balancing statt Re-Balancing

Treue Leser kennen meine Methode die Ziel-Allocation herzustellen bereits. Statt dem klassischen Re-Balancing, bei dem ETF-Anteile verkauft und gekauft werden, wird die Balance dadurch erreicht, dass die Sparrate immer in die ETFs fließt, die aufholen müssen. Wer seinen Emerging-Markets ebenfalls reduzieren möchte, kann darüber nachdenken, seine Sparrate in den MSCI World oder seine anderen ETFs umzuleiten und so einen Verkauf vermeiden.

Im Coffein-Portfolio verteilen sich die frei gewordenen 10% auf den Dividenden-ETF und die Small Caps. Beide Anteile steigen von 10% auf 15% an.

Die neue Gewichtung des Coffein Portfolios

Anteil im ETF-PortfolioISINETF-Name
40%IE00B4L5Y983iShares MSCI Core World
20%IE00BKM4GZ66iShares MSCI Core Emerging Markets IMI
10%LU0908500753Lyxor STOXX Europe 600
15%IE00B8GKDB10Vanguard FTSE All-World High Dividend
15%IE00BF4RFH31iShares MSCI World Small Cap
Neue Aufteilung des Coffein Portfolios nach der Reduzierung des Emerging Markets-Anteils

Podcast-Episode zum Artikel

Reflect-ion
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Folge 30: Emerging Markets Risiko? Anpassung der Asset Allocation
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