Auf der Suche nach einem ETF-Portfolio

Meine Depots bestehen heute zum größten Teil aus Einzelaktien. Dazu gesellt sich noch der ein oder andere aktiv verwaltete Fonds und börsengehandelte Indexfonds (ETF). Diese Struktur hat sich im Laufe der Zeit ergeben. Nicht immer gab es eine Strategie. Mehr dazu lest ihr in meiner Story Die Börse und ich. Am Ende dieser Geschichte erläutere ich, warum ich auf dem Weg zu einem Passiv-Anleger bin und mich in letzter Zeit intensiv mit der Konstruktion eines zu mir passenden Portfolios aus Indexfonds beschäftigt habe. Um letzteres geht es in diesem Blogartikel.

Das perfekte Portfolio gibt es nicht

Aus dem heute praktisch unüberschaubaren Angebot an ETFs lassen sich Millionen von Kombinationen zusammenstellen. Schon bevor ich begann mein individuelles Portfolio zusammenzustellen, war klar, dass es das perfekte Portfolio nicht gibt. In der Literatur und vor allem im Netz finden sich einige Musterportfolios, die man adaptieren kann. Ich wollte aber ganz bewusst den Prozess des Portfolioaufbaus durchlaufen und habe nach einigen Etappen ein Ergebnis.

Ein Weltportfolio nach Kommer

Gerd Kommer legt in seinem Buch Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs ausführlich dar, warum ein breit gestreutes Portfolio aus Indexfonds eine gute Lösung für den langfristigen Vermögensaufbau darstellt. Seine Argumentation ist wissenschaftlich untermauert. Grundlage ist die moderne Portfoliotheorie. Ein wichtiges Element darin ist die Markteffizienzhypothese, nach der an den Kapitalmärkten stets alle verfügbaren Informationen eingepreist sind und es demnach einzelnen Akteuren nicht möglich ist langfristig eine Rendite über dem Marktdurchschnitt zu erzielen. Es gibt Kritik und Gegner dieser Theorie. Dieses durchaus interessante Thema füllt Bücher, und ich möchte es in diesem Artikel nicht behandeln.

Ein Weltportfolio nach Kommer enthält Indexfonds auf Aktien der Regionen Nordamerika, Westeuropa, Pazifik und den Schwellenländern, flankiert von Fonds mit Immobilienaktien und Rohstoffen. Stand der Wissenschaft ist, dass Aktien von Unternehmen aus dem Value-Segment als auch kleinere Unternehmen (Small Caps) langfristig eine höhere Rendite als der Gesamtmarkt abwerfen. Aus diesem Grund empfehlen sich Fonds aus den Segmenten Large Caps Value und Small Caps. Der „risikofreie“ Teil wird mit kurzlaufenden Staatsanleihen erstklassigem Ratings (AAA / AA) bestückt.

Wenn alle Prinzipien des Kommer-Weltportfolios berücksichtigt werden sollen, wird es in der Umsetzung schwierig. Ich habe versucht ein Portfolio aus ETFs ohne Immobilien und Rohstoffe zusammenzustellen, das sich an diesen Prinzipien orientiert und gleichzeitig einige der in meinem Depot bereits vorhandenen ETFs integriert. Herausgekommen ist das folgende Konstrukt (nur Aktien-Anteil):

Individuelles Weltportfolio in Anlehnung an Kommer

Individuelles Weltportfolio in Anlehnung an Kommer

Das hier gezeigte Portfolio stellt keinen Versuch dar, das Weltportfolio nach Kommer 1:1 abzubilden. Ich habe möglichst viele meiner bestehenden ETFs integriert, um bei der Umsetzung Transaktionen, Kosten und Steuern zu vermeiden. Daher bitte nicht als einen Vorschlag für ein objektives Weltportfolio nach Kommer interpretieren – das Buch selbst enthält ein Umsetzungsbeispiel mit konkreten Produkten.

KISS – Keep it simple, stupid

Ich hatte also meine Variante gefunden. Und einige der verwendeten ETFs waren ja schon in meinem Depot. Jetzt hätte es in die Umsetzung gehen können. Bis es allerdings soweit war, hatte ich einige Runden mit Excel verbracht. Doch noch ein Quäntchen mehr Asia/Pacific? Brauche ich nicht doch auch einen dedizierten Value-ETF für Nordamerika? Wie sieht die Verteilung über die Regionen unter Berücksichtigung der World-ETFs genau aus?

Ich habe noch einige Male darüber geschlafen. Schließlich soll die Portfoliozusammensetzung die nächsten zehn Jahr, besser noch länger, halten. Ich kam letztendlich zu dem Schluss, dass ich mir Fragen wie oben immer wieder stellen würde, solange ich dieses Portfolio bespare und irgendwann wieder mit Optimierungsversuchen beginne. Also Schluss mit dem Optimierungswahn und zurück zur Einfachheit.

Ein kompliziertes Portfolio sieht vielleicht theoretisch nett aus. Die Chance, dass man dieses langfristig konsequent umsetzt, schätze ich nicht sehr hoch ein. Aber genau darin liegt die Rendite.

Die Ein-ETF Lösung

Der Gegenentwurf: Radikal einfach. Ein Weltportfolio lässt sich schließlich auch mit einem einzigen Produkt umsetzen. Hier eine Auswahl:

Das erste Produkt setzt auf den All Country World Index von MSCI und bildet über 2400 Aktien aus 23 entwickelten Märkten und 23 Schwellenländern ab. Vanguard nutzt den All-World-Index von FTSE und investiert in über 3000 Unternehmen aus den entwickelten Märkten und Schwellenländern. Der dritte Kandidat ist ein Portfolio ETF und bündelt (zu höheren Kosten) mehrere ETFs in einem Produkt, darunter auch Renten-ETFs und Aktien-ETFs aus den Segmenten Value und Small Caps. Da sich der Aktien- und der Rentenanteil zwischen 30 und 70 Prozent bewegen kann, wohnt dem Produkt eine aktive Komponente inne.

Eine Ein-Produkt Lösung ist charmant. Simpel, kein Re-Balancing, Buy and Hold oder einfach per Sparplan füllen, fertig ist der Vermögensaufbau. Warum also nicht?

Ich werde mit einem Fonds nicht glücklich. Die Welt-ETFs gewichten die Anteile an der Marktkapitalisierung und haben beide einen Schwellenländeranteil um die 10%. Gemessen am Weltbruttoinlandsprodukt bringen es die aufstrebenden Märkte mittlerweile auf ungefähr ein Drittel. Hier möchte ich näher am BIP sein.

Möglichst einfach ist beim Vermögensaufbau ein erstrebenswertes Ziel. Mit nur einem Produkt ist man dann aber auch an die Gewichtung des Index gebunden. Ich möchte diese selbst festlegen.

Der Portfolio ETF ist interessant. Hier spielen die Kosten von derzeit 0,7% p.a. eine Rolle. Die Einzel-ETFs sind günstiger. Der entscheidende Nachteil ist für mich aber, dass man keinen Einfluss auf die Aufteilung zwischen Aktien und Renten hat. Selbst wenn diese aktuell zufällig mit der individuellen Strategie zusammenpasst, kann sich das im Laufe der Zeit ändern.

Die Zwei-ETFs Lösung

Um den Schwellenländeranteil zu erhöhen, muss also ein zweiter ETF her. Folgerichtig einer, der genau dieses Segment bedient.

Der MSCI World Index bildet die Industrieländer aus Nordamerika, Europa und dem Pazifikraum ab. Der MSCI Emerging Markets IMI Index entsprechend die Schwellenländer. Fertig ist mein Portfolio?

Ein Weltportfolio mit zwei Indices

Ein Weltportfolio mit zwei Indices

Noch nicht ganz. Der nach Marktkapitalisierung gewichtete MSCI World-Index hat einen Nordamerika-Anteil von über 60%. Mit diesem ETF-Mix liegt der Europa-Anteil unter 20%, der Anteil der in der Währung Euro gehaltenen Positionen beträgt nur um die 8%. Das ist mir zu wenig. Ich will nicht den deutschen Aktienindex in das Zentrum stellen (Home Bias). Ich lebe in Europa, zahle größtenteils mit Euro und tilge meine Immobiliendarlehen in Euro. Ein Europa-Anteil von 30% soll es schon sein.

Die Drei-ETFs Lösung

Ein Europa-ETF muss ins Spiel. Ich bleibe bei MSCI und ergänze das Portfolio um den MSCI Europe:

Mit dem Europa-ETF steigt der Westeuropa-Anteil (ohne Schwellenländer) auf knapp über 30% des Portfolios. Euroland ist mit immerhin 16% vertreten.

Ein Weltportfolio mit drei Indices

Ein Weltportfolio mit drei Indices

Was erreicht man mit dieser Zusammensetzung im Gegensatz zu der 1 ETF bzw. 2 ETFs Lösung? Im ersten Schritt wird der Anteil der Schwellenländer im Portfolio näher an deren Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt herangeführt. Mit dem Schritt zur 3er-Kombination wird der Westeuropa-Anteil übergewichtet und liegt mit 30% über dem BIP und auch über dem Anteil, der Westeuropa nach Markkapitalisierung zustehen würde. Damit ist der Kontinent und auch der Währungsraum, in dem ich lebe, stärker vertreten als das nach reiner Marktkapitalisierung der Fall wäre.

Bin ich jetzt endlich zufrieden? Nein. Warum nicht und wie mein Ergebnis letztendlich aussieht, beschreibe ich im nächsten Artikel.

So long, not short!

4. Meetup Finanzwesir Zelle Kassel 7.3.2018

Nach einem freundlichen Start in das Börsenjahr 2018 sehen wir Anfang Februar eine Korrektur. Wer seine Strategie einfach durchzieht, bleibt ganz entspannt. Habt ihr eine Strategie? Lasst uns drüber sprechen. In der Business Lounge des Intercity-Hotels Kassel.

Mittwoch, 07.03.2018 – 18 Uhr – Intercity Hotel Kassel

Ich würde mich freuen, wenn du dabei bist! Einfach anmelden über Eventbrite – 4. Meetup Kassel!

Infos über das Konzept der autonomen Zellen findet ihr hier: https://www.finanzwesir.com/autonome-zellen

Thema Finanzielle Selbstständigkeit – intrinsify.me Wevent in Dortmund

Am Wochenende 26.01. bis 28.01. findet in Dortmund das 35. Netzwerktreffen der Intrinsifyer, das Wevent mit dem Untertitel New Maloche, statt.

Das Thema lautet diesmal: Der Einfluss der Digitalisierung und der Marktdynamik auf die Arbeit in der Traditionsindustrie. Oder auch: New Work – und wer macht die echte Maloche?

Ein Wevent findet im Open Space Format statt. Die Teilnehmer bringen selbst Themen für die Agenda ein. Und es sind stets auch Themen abseits der „Überschrift“ willkommen.

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Gerade mit diesem Untertitel „wer macht die echte Maloche?“ bin ich in Resonanz geraten. Jetzt nach Jahren des ungebrochenen Aufwärtstrends an den Aktienmärkten, wo gefühlt jeder zweite vom passiven Einkommen spricht und von der finanziellen Unabhägigkeit träumt, ist die Frage aktuell. Wer macht dann eigentlich noch die echte Maloche?

Ich bin am Wochenende in Dortmund und biete eine Session zum Thema Finanzielle Selbstständigkeit an.

 

Die Börse und ich – meine Story – Teil III

Die Winterpause ist vorbei. Auch die Bundesliga startet dieses Wochenende wieder. Ups, falsches Thema. Schnell die Kurve kriegen… Hier ist der dritte, letzte und umfangreichste Teil meiner Serie Die Börse und ich – meine Story.

Im ersten Teil ging es um Hypes, den Neuen Markt, den Millennium-Aktionismus und das damit verknüpfte Lehrgeld. Im zweiten Teil schreibe ich darüber, wie ich zum Thema Börse überhaupt gekommen war, das Depot der Börsengurus und die Zockerei mit Neuemissionen.

Lessons learned I: Hypes hinterherrennen, Aktionismus und Zockerei führen nicht zu schnellem Erfolg, sondern zum Gegenteil. Man könnte auch sagen: keine hohe Rendite ohne hohes Risiko.

Das sind Geschichten aus meinen Lehrjahren um das Jahr 2000 herum. Einen Technologie-Crash und eine Finanzkrise später, versuche ich in diesem Blog-Post die Jahre dazwischen bis heute zusammenzufassen und dabei zu reflektieren, was sich an meiner Haltung zur Börse geändert hat und warum.

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Finanzwesir Lesertreff – Zelle Kassel – Treffen #3

Aller guten Dinge sind drei, so ein deutsches Sprichwort. Wenn etwas beim dritten Mal gut klappt, dauert es nicht lange, bis es ausgesprochen wird. Zu unserem dritten Treffen am 04.01.2018 in Kassel passt es allergings nicht so gut. Einerseits gab es Verwirrung bei der Uhrzeit, die ich in der E-Mail Einladung irrtümlicherweise falsch angeben hatte. Im verlinkten Event war sie richtig. Zum anderen gab es dann noch Probleme mit der Location.

Ortsänderung

Statt in das Gleis 1 ging es in die Caricatura-Bar

Ich hatte für das Treffen im Dezember einen Tisch im Gleis 1 reserviert. Leider wurde der Eintrag nicht in das 2018er Terminbuch übernommen und so entschloss man sich dort kurzfristig zu schließen und Renovierungsarbeiten durchzuführen. An dieser Stelle trotzdem Lob für den Support von Frau Sütterlin vom Gleis 1, die sich gekümmert hat und uns als Alternative kurzfristig das nahegelegene Podium empfohlen hatte. Dieses war allerdings randvoll an diesem Donnerstagabend. Wer hätte das gedacht? Kassel lebt!

Das führte uns dann in eine Bar, die Caricatura-Bar – Come as you love yourself! Passt. Zwar etwas dunkel und laut für einen Austasuch, aber auch das haben wir ganz gut weggesteckt.

Die autonome Zelle Kassel konnte wieder zwei neue Gesichter kennenlernen und freut sich über den Zuwachs in der Finazwesir-Community. Wir sind jetzt über 20 Interessenten. Das nächste Treffen findet voraussichtlich im März statt. So long – stay invested!