Jahresabschluss – meine ToDo-Liste

Herzlich willkommen im neuen Jahr. Im ersten Artikel 2019 stelle ich euch einige meiner Jahresabschluss-ToDos vor, die sich bei mir über die letzten Jahre so eingeschlichen haben. Vielleicht ist ja etwas dabei, was du selbst auch nützlich findest. Meist nehme ich mir zwischen den Jahren oder Anfang Januar Zeit, um ein paar Zahlen zu aktualisieren, über das alte Jahr zu reflektieren und auch etwas in die Zukunft zu planen. Los geht’s.

Zahlen, Daten, Fakten

Ja, ich bin Zahlenfreak. Auf meiner Festplatte liegt die ein oder andere Excel-Tabelle. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Mir helfen die Tabellen den Überblick im Finanzdschungel zu behalten.

Verbrauch und Kosten

Wir nutzen täglich Wasser, Strom und Energie zum Heizen. Wie viel kostet das eigentlich monatlich? Einen groben Überblick darüber zu haben kann nicht schaden. So lese ich am Jahresende einmal die Zähler ab und trage sie in meine Tabelle für laufende Kosten ein. Nach ein paar Jahren hat man einen ganz guten Überblick darüber, wie viel Geld man eigentlich für die Grundversorgung ausgibt und wie sich Verbrauchs- und Preisänderungen auf die Kosten auswirken.

Einmal jährlich beziehen wir Heizöl und Pellets für den Pelletofen. Menge und Preis werden dann einfach in die Tabelle eingetragen. Am Jahresende muss man dann nur noch den Preis pro Liter Heizöl bzw. pro Tonne Pellets mit dem Verbrauch multiplizieren und durch zwölf teilen, schon hat man die monatlichen Heizkosten.

Die Daten geben auch eine solide Grundlage bei Entscheidungen für oder gegen den Wechsel des Stromtarifs, und ob es sich lohnen könnte die alte Heizung zu ersetzen, oder eben doch zu behalten.

Schulden

Schulden sind schon etwas Feines – irgendwie so etwas wie die Bildzeitung. Keiner will sie haben, aber alle haben sie. Ich auch. Also Schulden. Als Immobilieneigentümer geht es auch meist nicht anders. Aber das ist ein anderes Thema.

Wichtig beim Thema Schulden ist, dass man sie wieder los wird, mit der Tilgung vorankommt. In meiner Excel-Tabelle „Finanzierung“ sind alle Darlehen und deren Tilgungspläne erfasst, inklusive Zinssätze, Zinsen, Tilgung und Sondertilgung.

Das hilft den Überblick zu behalten und der Blick auf den Tilgungsplan motiviert zu Sondertilgungen. Diese Sonderzahlungen sind psychologisch schwierig. Das Geld ist weg und man sieht: nichts. Im Gegensatz zum neuesten 60 Zoll LED 4k Flat-TV. Wenn ich aber eine Sondertilgung in die Tabelle eintrage, dann saust der Chart für den Kontostand Richtung Süden. Ebenso verringern sich die zukünftigen Zinszahlungen, Jahr für Jahr. Ein kleiner Psycho-Hack. Und danach ab zu Netflix auf dem alten TV, der tut es auch (zu lesen: … auf dem alten TeVau, der tut’s au)!

Erträge und Bestände

Zum Glück gibt es neben Kosten und Darlehenstilgung auch Erträge.

Photovoltaik-Anlage

Direkt nach dem Immobilienkauf habe ich mich für die Investition in eine Photovoltaikanlage entschieden. In der Tabelle „Photovoltaik“ notiere ich den Eigenverbrauch und die Lieferungen an das Energieversorgungsunternehmen. Das war dieses Jahr erfreulich, denn 2018 erntete die Anlage bisher die meisten Photonen. Das reduzierte auf der einen Seite den Strombezug und steigerte auf der anderen Seite die Einspeisevergütung.

Bausparverträge

Zum Thema Bausparverträge gibt es sicher die unterschiedlichsten Meinungen. Lasst mich eure in den Kommentaren gerne wissen! Meine Meinung: Es kann nicht schaden einen Bausparvertrag zu besparen. Zum einen fließen regelmäßig Beträge in den Vertrag, was die Sparrate erhöht. Zum anderen findet sich nach Zuteilung sicher eine sinnvolle Verwendungsmöglichkeit für das angesparte Geld. Und die Option auf eine Finanzierung hat man ja auch noch. Wer sich fragt, warum ich Hypothek und Bausparverträge gleichzeitig habe: Die Bausparverträge haben einen höheren Zinssatz als die Darlehen. Auch dafür habe ich natürlich eine Excel-Tabelle, in die ich Einzahlungen, Zinsen und Kontostände erfasse.

Wertpapier-Depots

Diese Tabelle darf natürlich nicht fehlen. Sie heißt schlicht „Depot“. Und obwohl es sehr gute und ausgefeilte Tools für die Depot-Verwaltung gibt, nutze ich trotzdem eine recht einfache Tabelle, um die Bestände zu verwalten. Zum Jahresende erfasse ich darin die Jahresend-Kurse aller Wertpapiere, die Dividenden bzw. Ausschüttungen und die Dividendenrenditen einmal zum Kaufkurs und einmal zum aktuellen Kurs. Psycho-Hack: In schwierigen Börsenzeiten, wenn die Kurse wie gerade jetzt gen Süden tendieren, sieht man den Cashflow schwarz auf weiß. Mein bester Wert rentiert bezogen auf den Anschaffungspreis bei über 20%. Der darf auch mal im Kurs zick zack fahren. In der Podcast-Episode zum Artikel spreche ich kurz über diesen Titel.

Gesamtvermögen

Noch wichtiger als der Überblick über die Einzelteile ist der Gesamtzustand. Was hilft es, wenn der Sportauspuff den besten Sound liefert, das Getriebe aber in seine Einzelteile zerfällt.

Mindestens am Jahresende verschaffe ich mir einen groben Überblick über den Wasserstand. Zum Thema Vermögen empfehle ich dir den folgenden Artikel: „Dein Vermögen: Individuell wie Du“.

In der Tabelle mit dem treffenden Namen „Vermögen“ konsolidiere ich alle Verbindlichkeiten, liquiden Mittel (Tagesgeld, Wertpapiere, Bausparen) und illiquiden Mittel (Haus, gebundenes Geld) und erhalte drei Kennzahlen:

  • Höhe der gesamten Verbindlichkeiten
  • Worst Case Liquidität (liquide Mittel – Verbindlichkeiten)
  • Saldo (liquide Mittel + illiquide Mittel – Verbindlichkeiten)

ToDos

Bisher ging es nur darum, Zahlen zusammenzutragen. Aber es gibt auch etwas Action.

Reinvestition der Dividenden und Ausschüttungen

Viele Unternehmen schütten einen Teil ihrer Erträge aus. Diese kommen über Dividenden bzw. bei Fonds per Ausschüttung beim Eigentümer an. Für langfristig orientierte Anleger kann das ein Problem sein. Denn nur, wenn man auch die Ausschüttungen wieder reinvestiert, erhält man am Ende den vollen Zinseszins. Die Gefahr ist groß eine Lücke auf dem Girokonto zu schließen oder das Geld einfach zu verkonsumieren. Denn oft handelt es sich dabei um kleinere Beträge, bei denen es sich auf Grund der Transaktionskosten nicht lohnt, sie wieder zu investieren.

Und genau so mies mache ich es auch! Die Euronen werden einfach verballert. Manchmal passt es und ich zahle eine Rechnung, manchmal ist es nur ein kleiner Einkauf oder das Geld geht sonst wie unter. Dafür setze ich mich am Jahresende aber vor meine Tabelle „Depot“, in der alle Ausschüttungen eingetragen sind. Diese investiere ich dann en bloc und nutze das gleichzeitig für das Re-Balancing des Coffein-Portfolio.

Rückforderung der Quellensteuer

Hält man Beteiligungen an ausländischen Unternehmen, werden bei der Zahlung der Dividenden in der Regel Quellensteuern einbehalten. In Deutschland werden die Erträge auch noch einmal besteuert. Daher kann es vorkommen, dass man die Steuern also doppelt zahlt. Mit vielen Staaten hat die Bundesrepublik ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Zu viel gezahlte Steuern kann man sich zurückerstatten lassen. Wie das genau funktioniert, dafür gibt es gute Quellen im Internet. Ich habe dieses Jahr die Rückerstattung zu viel gezahlter Steuern bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft beantragt. Der Aufwand dafür: etwa 30 Minuten. Wenn man das öfter macht, dürfte das noch schneller gehen. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie hoch die Dividenden waren und welchen Stundenlohn man haben möchte.

Reflexion

Zahlen, Daten, Fakten. Alles tote Materie. Nützlich, wenn man sie hat. Aber nur, wenn man sie auch reflektiert, daraus auch etwas ableitet, vielleicht sogar Ideen generiert.

Neben dem ganzen Zahlenwust in den Excel-Tabellen führe ich seit 2014 ein „Investmenttagebuch“. Zum Jahresanfang schreibe ich mir selbst einen kleinen Bericht über das letzte Jahr. Ja, wirklich nur mir selbst, zur Reflexion. Was lief gut oder schlecht? Wie entwickelten sich die verschiedenen Positionen im Depot? Wie war die Wetterlage an den Börsen? Rückblickend versteht man diese nämlich ganz gut. Im Gegensatz zu aktuellen Entwicklungen, die doch manchmal überraschen.

Nach dem Rückblick folgt dann eine Auseinandersetzung mit der Strategie. Hat sich etwas so grundlegend verändert, dass eine Anpassung der Strategie sinnvoll erscheint? Meist ist die Antwort darauf: nein. Dennoch notiere ich mir immer zwei oder drei Punkte, die ich im Auge behalten möchte und im nächsten Jahr noch einmal aufgreifen will. Themen waren bisher beispielsweise meine relativ große Position in Apple oder auch die teuren, aber steuerfreien Fonds. Wie ich mich bei dem Thema Fonds entschieden habe, lest ihr hier: Was tun mit teuren Fonds-Altbesänden.

Fazit

Der Aufwand lohnt. Mindestens einmal im Jahr sollte man sich etwas intensiver mit seinen privaten Finanzen auseinandersetzen. Ob man dabei gleich Zahlenkolonnen produzieren muss, sei dahingestellt. Einen gewissen Überblick sollte man aber unbedingt haben. Und mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für gute Finanzentscheidungen.

Ich hoffe ihr konntet etwas mitnehmen und vielleicht legt ihr euch für 2019 auch eine Tabelle oder ein Finanztagebuch an.

So long, not short
Torben

Die Podcast-Episode zum Artikel


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