Feedback und Hörerfragen von Tino

Liebe Podcast-HörerInnen und Blog-LeserInnen,

ich freue mich über Zuschriften von euch, auch wenn ich nicht auf jede direkt antworten kann. Kürzlich erreichte mich ein tolles Feedback zum Podcast (Danke!) und ein paar Fragen (ebenso Danke!) von Tino, die vielleicht auch euch interessieren könnten. Daher schiebe ich einen kleinen Artikel ein, in dem ich versuche gute allgemeine Antworten zu finden und auch mein Vorgehen beschreibe.

Hallo Torben,
ich höre seit ein paar Tagen deinen Podcast und bin begeistert. Hätte ich dieses Wissen doch nur schon vor Jahren gehabt!!! Naja, die Zeit zurückdrehen geht ja leider nicht.

Podcast-Hörer Tino fragt:

  • Hältst du noch am Coffein-Portfolio fest? Sprich: ist es noch deine erste Wahl?
  • Wo hast du das Depot für dein Coffein-Portfolio (Anbieter)? Oder nutzt du mehrere?
  • Sind die Orderkosten bei der ING nicht viel höher als z.B. Onvista oder anderen Banken bzw. Sparplänen?
  • Nutzt du einen Sparplan? Sind Sparpläne nicht viel günstiger als das manuelle Ordern? Kaufst du monatlich oder alle 3 Monate (um Gebühren zu sparen)?
Fragen

Hältst du noch am Coffein-Portfolio fest? Ist es noch deine erste Wahl?

Die kurze Antwort: ja

Grundsätzlich gilt: Die Umsetzung einer langfristigen Anlagestrategie ist erfolgversprechender als regelmäßiges hin- und her. Bei der Konstruktion des Coffein-Portfolios stand dieser Leitgedanke im Vordergrund. Mein Tipp: ruhig etwas Zeit investieren, wenn es darum geht, die ETFs auszuwählen, dann aber mit einem Zeithorizont von mindestens 10 Jahren – am besten viel länger – daran festhalten. Ich mag keine Börsenweisheiten, aber auch diese besteht aus einem wahren Kern: Hin- und her macht Tasche leer. Stellt euch am besten die folgende Frage: In was würdest du dein Geld investieren, wenn du danach ein oder zwei Jahrzehnte durchschlafen würdest?

Natürlich gibt es immer mal wieder interessant klingende neue Produkte. Vielleicht ist es der nächste ETF auf einen Index, der ein wenig günstiger ist. Oder ein pfiffiger Banker entwickelt einen neuen Index, der eine Überrendite verspricht etc. Wenn man da nicht seine innere Ruhe gefunden hat, ist man anfällig für häufige Produktwechsel. Das verursacht in der Regel Transaktionskosten und gefährdet vor allem das Durchhalten der langfristigen Strategie.

Wo hast du das Depot für dein Coffein-Portfolio? Oder nutzt du mehrere?

Die kurze Antwort: Bei der ING

Ich hatte mal mehr als ein Depot bei verschiedene Banken. Mittlerweile habe ich aber alle Depots bei der ING zusammengeführt. Zum Beispiel hatte ich zu Zeiten, also ich mich selbst noch in der Bank beraten ließ, ein Depot bei der DEKA Bank eröffnet – oder der Berater damals für mich, müsste man wohl eher schreiben.

Aktien und Fonds sind Sondervermögen. Das Depot bildet prinzipiell nur die Schnittstelle, über die alles verwaltet wird. Kosten und Service sind Punkte, an denen man sich orientieren kann. Allerdings ist es wie beim Stromanbieter: jedes Jahr ist ein anderer günstiger oder besser bzw. bietet die besten temporären Sonderkonditionen. Da bin ich eher der Typ Nichtwechsler, auch wenn man die Kosten so nicht absolut optimieren kann.

Hier ist mein genereller Tipp: KISS, keep it simple, stupid. Ich sehe für mich keine Vorteile bei der Nutzung mehrere Depots und die Wahl des Brokers ist nicht die Entscheidende für den langfristigen Anlageerfolg. Von daher sollte man sich auch nicht allzu lange mit der Auswahl beschäftigen.

Sind die Orderkosten bei der ING nicht viel höher als z. B. bei Onvista oder anderen Banken bzw. Sparplänen?

Die kurze Antwort: Jein.

Erstmal die für ETF-Anleger relevanten Fakten:

  • Die Ausführung von Sparplänen lässt sich die ING derzeit mit 1,75% vom Ordervolumen vergüten. Ja, das geht günstiger.
  • Manuelle Wertpapieraufträge an deutschen Handelsplätzen kosten aktuell 0,25% vom Ordervolumen zuzüglich 4,90 Euro.

Bei der ING wird der Einzelauftrag also ab einem Ordervolumen von 327 Euro günstiger. Bestellt man beispielsweise ETF-Anteile für 500 Euro, zahlt man nur noch 1,23%, bei 1.000 Euro dann nur noch 0,74% usw.

Generell gilt: Alle Broker stehen im Wettbewerb um uns Kunden. Das drückt die Preise. Egal bei welchem Anbieter man selbst ist, dieser wird wettbewerbsfähig bleiben müssen, damit ihm nicht die Felle davonschwimmen. Davon profitiert man dann auch als Bestandskunde.

Nutzt du einen Sparplan? Sind Sparpläne nicht viel günstiger als das manuelle Ordern? Kaufst du monatlich oder alle 3 Monate (um Gebühren zu sparen)?

Die kurze Antwort: Ich kaufe einmal pro Quartal manuell.

Grundsätzlich rate ich jedem, der sich selbst an den Vermögensaufbau mit ETFs herantastet, zu einem kleinen Sparplan. Ganz simpel 25, 50 oder 100 Euro auf einen Standard-ETF. Und zwar aus einem einfachen Grund: es ist extrem schwer in jeder Börsenlage (wie zum Beispiel jetzt bei höchsten Kursnotierungen) auch tatsächlich regelmäßig wie ein Uhrwerk aktiv zu kaufen. Selbst wenn man glaubt, man hat die Vorteile dieser Strategie, also der regelmäßigen Käufe, verstanden und verinnerlicht, tritt man das Spiel gegen die Emotionen an.

Trotzdem kaufe ich manuell alle drei Monate, um Kosten zu sparen (siehe oben). Um mich selbst zu disziplinieren, nutze ich eine einfache wie wirksame Excel-Tabelle, in der ich Kaufdatum, den gekauften ETF und den investierten Betrag erfasse. Investment-Protokoll könnte man das nennen

Fazit

Ich lese auch auf anderen Blogs immer wieder die Diskussionen über den besten ETF für einen Index oder den besten Depotanbieter. Oft geht es am Ende um die Nachkommastellen. Der Markt ist unübersichtlich und es gibt ein Überangebot an Produkten. Das absolute Kosten-Optimum ist nur theoretisch zu erreichen. Viel besser ist es sich einmal einen groben Überblick zu verschaffen und dann beherzt loszulegen.

Danke Tino für Dein Feedback und Deine Fragen!

Die Podcast-Episode zum Artikel

So long, not short
Torben


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