Updated on Oktober 25, 2026
Reflect-Ion Income Portfolio
Für die Anparphase gibt es unzählige Artikel und Videos. Sparrate rein, Kurse schwanken lassen, durchhalten. Nicht so für die deutliche spannendere Zeit des Ensparens. Irgendwann dreht sich die Blickrichtung um: Aus dem Vermögensaufbau wird die Entnahme. Und plötzlich zählt nicht mehr nur, wie viel am Ende im Depot steht, sondern wie verlässlich das Depot Jahr für Jahr Einkommen generiert – ohne dabei aufgezehrt zu werden.
Für genau diese Phase habe ich jetzt (wie schon das Coffein-Portoflio für den Vermögensaufbaue) ein Portfolio zusammengestellt: das Reflect-Ion Income Portfolio. Sechs ETFs, jeder mit einem eigenen Charakter und seiner eigenen Aufgabe. In diesem Artikel stelle ich euch die Bausteine vor. Die Ziel-Rendite des Portfolios ist 4%, die allerdings aktuell nicht erreicht werden.
Das Ziel: 4% – und zwar nachhaltig
Angestrebt ist eine Entnahme von 4% brutto pro Jahr, bezogen auf das investierte Kapital. Bei 100.000 Euro sind das 4.000 Euro vor Steuern. Das Wort, auf das es mir dabei ankommt, ist nachhaltig. Gemeint ist: Die Entnahme soll möglcihst über Jahrzehnte tragfähig sein. Das Portfolio darf schwanken, es darf auch mal ein schlechtes Jahr haben – aber es soll nicht Stück für Stück ausbluten.
Die Ausgangslage: Nicht umschichten
Zwei ETFs liegen bereits im Depot: der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield als Basis-Baustein und der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders. Beide sind über die Jahre gut gelaufen. Genau das ist der Grund, sie nicht anzufassen. Ein Verkauf würde Kursgewinne realisieren, und auf die wird Abgeltungsteuer fällig.
Beide ETFs bleiben also, und das Portfolio wird um sie herum gebaut. Das Problem: Zusammen kommen die beiden derzeit nur auf eine Ausschüttungsrendite von knapp unter 3%. Nach einer starken Börsenphase sind die Kurse gestiegen, die Dividenden aber nicht im gleichen Tempo. Die Rendite auf den aktuellen Kurs ist entsprechend gesunken. Schauen wir uns nach weiteren ausschüttenden ETFs um.
Die sechs Bausteine – Ein Portfolio auf Probe
Ich stelle euch hier das vorläufige Ergebnis vor. Das Reflect-Ion Income Portfolio ist noch im Aufbau, eine konkrete Investition findet noch nicht satt, sodass es als Entwurf betrachtet werden kann. Änderungen sind also noch möglich.
1. L&G Global Quality Dividends – der Qualitätskern
Charakter: Breit gestreut, gleichgewichtet, auf Dividendenwachstum getrimmt. Der ETF bildet den FTSE Developed All Cap Dividend Growth with Quality ab und hält rund 950 Unternehmen aus den Industrieländern. Ausgewählt wird nicht nach der höchsten Dividende, sondern nach Dividendenwachstum und Qualitätskennzahlen, zusätzlich gibt es einen ESG-Filter. Weil alle Titel gleich gewichtet sind, liegen die USA nur bei knapp 30%, Japan bei rund 17%. Finanzwerte und Industrie sind die größten Sektoren. Kosten: 0,29%, Ausschüttung monatlich.
Aufgabe: Mit 30% wird er der größte Baustein und das Gegengewicht zu den marktgewichteten Indizes. Die Gleichgewichtung verhindert, dass wenige Großkonzerne oder ein einzelnes Land das Portfolio dominieren. Der Fokus auf wachsende Dividenden soll dafür sorgen, dass die Ausschüttungen mit der Inflation mithalten. Mit rund 2,8% ist seine Ausschüttungsrendite eher moderat. Der ETF ist erst seit Januar 2026 am Markt, die Rendite beruht deshalb noch auf einer Prognose. Bevor das Income Portfolio aufgebaut wird, vergeht noch ein wenig Zeit, in der dieser ETF beobachtet wird.
2. Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield – ein Fundament
Charakter: Breit, ruhig, unaufgeregt. Der ETF hält über 2.300 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern, die eine überdurchschnittliche Dividende zahlen. Der Index ist nach Marktkapitalisierung gewichtet, die USA stellen knapp 40%, dahinter folgen Japan und Großbritannien. Finanzwerte sind mit fast 30% der größte Sektor. Die laufenden Kosten liegen bei 0,29%, ausgeschüttet wird quartalsweise.
Aufgabe: Er ist der Basis-Baustein aus dem Bestand des Coffein-Portfolios. Keine Einzelwette, keine enge Auswahl, sondern die Dividendenzahler der Welt in der Breite. Mit derzeit rund 2,5% ist seine Ausschüttungsrendite die niedrigste im Portfolio. Dafür sorgt er für Stabilität und eine Markbreite, die wohl kaum ein Dividenden-ETF sonst bietet.
3. WisdomTree Europe High Dividend – der Euro-Anker
Charakter: Europäische Hochdividendenwerte in der Breite. Der ETF hält rund 260 Aktien aus Europa mit hoher Dividendenrendite. Unter den größten Positionen finden sich Namen wie TotalEnergies, Allianz, Intesa Sanpaolo, Sanofi und Enel. Kosten: 0,29%, Ausschüttung quartalsweise in Euro.
Aufgabe: Meine Ausgaben fallen in Euro an, also soll ein Teil der Erträge auch ohne Währungsumweg in Euro entstehen, so wie es der Stoxx Europe 600 – Baustein im Coffein-Portofio zur Aufgabe hat. Gleichzeitig ist er mit rund 4,6% einer der stärksten Ertragsbringer unter den klassischen Dividenden-ETFs und schiebt die Ausschüttungsrendite des Portfolios deutlich nach oben.
4. VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders – der Qualitätsfilter
Charakter: Konzentriert und selektiv. Morningstar wählt 100 Unternehmen aus den Industrieländern aus. Neben der Dividendenrendite zählen dabei die finanzielle Stabilität und das erwartete Dividendenwachstum. Schwerpunkte liegen bei Finanzwerten, Energie und Gesundheit, Europa ist deutlich stärker vertreten als im Weltmarkt. Kosten: 0,38%, Ausschüttung quartalsweise in Euro.
Aufgabe: Der zweite Baustein aus dem Bestand hebt den Ertrag an, ohne auf reine Hochprozenter zu setzen. Mit rund 3% liegt er spürbar über dem Vanguard-ETF. Der Qualitätsfilter soll verhindern, dass Unternehmen im Portfolio landen, deren hohe Dividende nur ein Zeichen für einen fallenden Kurs ist.
5. L&G Emerging Markets Quality Dividends Equal Weight – die Schwellenländer-Beimischung
Charakter: Die Schwellenländer dürfen nicht fehlen. Der ETF hält rund 570 dividendenzahlende Unternehmen aus den Emerging Markets mit hoher Profitabilität, ebenfalls mit ESG-Filter und gleichgewichtet. Kosten: 0,45%, Ausschüttung quartalsweise.
Aufgabe: Er bringt die schneller wachsenden Volkswirtschaften ins Portfolio – und zwar kontrolliert. Die Gleichgewichtung verhindert, dass einzelne Schwergewichte oder ein einzelnes Land den Anteil dominieren. Der Qualitätsfilter sortiert Unternehmen aus, die sich ihre Dividende nicht leisten können. Mit rund 3,3% liefert er einen soliden Beitrag. Die höheren Schwankungen und Währungsrisiken der Schwellenländer fallen bei einem Portfolio-Anteil von nur 15% nicht ins Gewicht und gleichen im Besten Fall die Schwankungen der anderen ETFs aus.
6. iShares World Equity High Income – die Prämienkomponente
Charakter: Der einzige aktiv gemanagte ETF im Portfolio – und der mit der höchsten Ausschüttung. Er investiert in weltweite Aktien und verkauft zusätzlich Call-Optionen, unter anderem auf den S&P 500. Die Prämien daraus werden zusammen mit den Dividenden monatlich ausgeschüttet. Derzeit liegt die Ausschüttungsrendite bei rund 9%. Aufgelegt wurde der ETF im März 2024, die Kosten liegen bei 0,35%.
Aufgabe: Er ist der Ertragsturbo, erhält aber nur einen Anteil von 10%. Die hohe Ausschüttung hat seinen Preis. Wer Call-Optionen verkauft, gibt einen Teil der Kursgewinne in starken Börsenphasen ab. Im Crash schützt die Prämie dagegen nur begrenzt. Langfristig kann das Kapital also hinter dem Markt zurückbleiben, während die Ausschüttung hoch bleibt. Als Beimischung ist das für mich in Ordnung, als Fundament nicht. Deshalb der Deckel bei 10%. Und trotzdem trägt der Baustein zur Gesamtrendite fast so viel bei die größte Position.
Die Gewichtung des Reflect-Ion Income Portfolios
| Anteil | ISIN | ETF-Name | rendite |
|---|---|---|---|
| 30% | IE0005AJA0P1 | L&G Global Quality Dividends | 2,8%* |
| 20% | IE00B8GKDB10 | Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield | 2,5% |
| 15% | IE00BQZJBX31 | WisdomTree Europe High Dividend | 4,6% |
| 10% | NL0011683594 | VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders | 3,1% |
| 15% | IE00BMYDMC42 | L&G Emerging Markets Quality Dividends Equal Weight | 3,3% |
| 10% | IE000KJPDY61 | iShares World Equity High Income | 9,0% |
| 100% | Income Portfolio |
Ausschüttungsrenditen gerundet, Stand Oktober 2026. Die Werte ändern sich mit jedem Kurs und jeder Ausschüttung. *Prognose, da der Fonds erst seit Januar 2026 existiert.
Unterm Strich kommt das Reflect-Ion Income Portfolio aktuell auf eine Ausschüttungsrendite von rund 3,7%. Das Ziel von 4% wird damit verfehlt. Eine höhere Gewichtung ausschüttungsstarker ETFs kommt nicht in Frage, wenn das Ziel der Nachhaltigkeit Priorität hat.
Die Minderrendite von Dividendenstrategien
Es hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass man von einem Depot nur die Dividenden „konsumieren“ darf und Anteilsverkäufe tabu sind. Dabei ist es unerheblich, ob der Cashflow aus einer Ausschüttung oder aus einem Verkauf stammt. Schüttet ein Unternehmen aus, sinkt sein Wert um genau diesen Betrag. Behält es das Geld, steckt der Wert im Kurs. Beides ist Ertrag aus dem gleichen Vermögen.
In der Regel ist das Reinvestieren der Überschüsse in wachsende Geschäfte langfrsitig lukrativer als Ausschüttungen. Durch eine reine Dividenden-Strategie fährt man daher im statistischen Mittel eine geringere Gesamtrendite ein als mit einem Index nach Marktkapitalisierung wie z. B. dem MSCI ACWI.
Aus diesem Grund wird es keinen einmaligen Verkauf des gesamten Coffein-Portfolios geben. An der Stelle des entweder oder steht das sowohl als auch. Die Transformation wird also fließen stattfinden.
Der Umschichtungsplan – ‚Balancing‘ in der Entnahme
Noch ist es nicht soweit. Aktuell wird noch immer in das Coffein-Portoflio investiert. Nachdem das Reflect-Ion Income Portfolio final ist, wird die Sparrate in eben dieses geleitet. Parallel dazu darf vom Coffein-Portoflio umgeschichtet werdne. Zu welchem Anteil und mit welchen Regeln das passiert, habe ich noch nicht entschieden. Nur soviel:
Frühere Leser kennen meine Methode, statt klassischem Re-Balancing einfach die Sparrate in die Positionen zu lenken, die aufholen müssen. In der Entnahmephase funktioniert das spiegelbildlich: Verkauft wird immer aus der Position, die gerade über ihrer Zielgewichtung liegt. So bleibt die Struktur erhalten, ohne dass zusätzlich umgeschichtet werden muss.
Beim Aufbau gilt dasselbe in die andere Richtung. Da Vanguard und VanEck bereits im Depot liegen, fließt frisches Geld so lange ausschließlich in die vier neuen ETFs, bis die Zielgewichtung erreicht ist. Kein Verkauf, keine Steuer.
Sequence of Returns – Risiko
Die größte Gefahr für eine Entnahmestrategie ist ein Crash in den ersten Jahren. Wer dann Anteile zu Tiefstkursen verkaufen muss, schadet dem Portfolio dauerhaft. Daher ist es sinnvoll vielleicht zwei bis drei Jahresbudgets vorab in einen Cach-Puffer zu parken, auf den man in einem solchen Fall zugreifen kann.
Bei der nachhaltigen Entnahmestrategie, die ohne Anteilsverkäufe auskommen soll, ist dieser Puffer nicht nötig oder kann kleiner ausfallen. Dividenden können gekürzt werden, die Ausschüttungen sind keine Garantie. Solange aber die in den ETFs enthaltenen Unternehmen nicht selbst aus der Substanz ausschütten, bleibt diese auch in schwierigen Börsenphasen erhalten. So achtet z. B. der VanEck ETF darauf, dass Unternehmen nicht mehr ausschütten, als sie erwirtschaften.
Fazit
Das Reflect-Ion Income Portfolio ist kein Renditejäger. Es ist ein Werkzeug, das über viele Jahre verlässlich Einkommen liefern soll. Jeder der sechs ETFs hat darin seine Rolle: Der L&G Global Quality Dividends sorgt für Qualität und Dividendenwachstum, der Vanguard für Breite, der WisdomTree für Euro-Erträge, der VanEck für einen zusätzlichen Qualitätsfilter, der L&G Emerging Markets für Wachstum aus den Schwellenländern und der iShares World Equity High Income für zusätzliche Prämien – gezielt begrenzt auf 10%.
Dass die angestrebten 4% aktuell nicht ganz erreicht werden, liegt daran, dass die Kursperformance in den letzten Jahren stark war. Es gilt diese Rendite zu beobachten und die Positionen gezielt in Schwächephasen aufzubauen. Am Ende geht es wie immer auch darum, die Strategie durchzuhalten – auch dann, wenn sich das Börsenwetter über einen längeren Zeitraum eintrübt.
Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Er beschreibt meine persönliche Strategie. Alle Angaben zu Kosten und Ausschüttungsrenditen sind gerundete Näherungswerte, Stand Oktober 2026, und können sich jederzeit ändern. Vergangene Ausschüttungen sind keine Garantie für zukünftige.
