In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren? Unser Zusammenleben, Politik und Wirtschaft – ja, diese Frage ist zeitlos und so wahrscheinlich auch gar nicht zu beantworten. Die Antwort wäre viel zu komplex. Ist die Frage denn überhaupt relevant? Es ändert sich doch sowieso nix!

Doch das könnte sich ändern. Die Frage gewinnt an Relevanz – in der Krise. Denn Krisen haben das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen. Hast du vielleicht schon mal in einem krisengeschüttelten Unternehmen gearbeitet? Dann weißt du aus eigener Erfahrung, wie eine Krise Veränderungen ermöglicht oder herbeiführt, die vorher noch undenkbar waren. Wenn du das noch nicht erlebt hast, die Chance ist gerade durch die unmittelbaren Auswirkungen des Coronavirus deutlich gestiegen.

Whatever it takes!

Wie wir leben, wie wir uns verhalten und vielleicht sogar wie wir denken, das hängt entschieden vom System ab, in dem wir uns befinden. Zentrale Instanzen haben typischerweise eine Vorstellung von einem Ideal, welches sie versuchen zu verteidigen, ja möglichst irgendwie stabil zu halten.

Das gilt für die Politik ganz ähnlich wie auch für Unternehmen. Das gilt zum Beispiel für die Eurorettung. Der Euro soll mit allen Mitteln erhalten werden – „Whatever it takes“. Er ist scheinbar die ideale Währung. Und das gilt für Strukturen in Unternehmen, selbst wenn diese schon lange nicht mehr zum komplexen Marktumfeld passen. Es gibt scheinbar die eine ideale Organisation. Zumindest aus zentraler Sicht.

Die zentrale Instanz steuert, stellt Regeln auf und etabliert das System. Das Gesellschaftssystem, das Wirtschaftssystem, die Unternehmensorganisation usw. Die Freiheit des Einzelnen wird dadurch eingeschränkt, ob nun im negativen oder positiven Sinne. Der Erfolg der Gesellschaft, der Volkswirtschaft oder des einzelnen Unternehmens hängt dann maßgeblich davon ab, wie gut die Entscheidungen der zentralen Instanz sind, wie gut oder passend sie das Regelwerk aufgebaut haben, wie gut sie steuern.

Staaten und Unternehmen scheitern nicht, weil sie die „falschen“ Bürger oder Mitarbeiter haben. Sie scheitern, wenn die Steuerung versagt, die Regierung oder die Unternehmensführung an der Realität vorbei steuert und an Idealen haften bleibt, die nicht mehr zu den Problemen der Zeit passen.

Das Coronavirus löscht die Nebelkerzen

Die Coronavirus-Pandemie und die damit ausgelöste Erkrankung der Menschen an COVID-19 ist tragisch. Die direkten Folgen sind unübersehbar und in allen erdenklichen Medien präsent, wenn nicht überpräsent. Mir geht es hier aber um die möglichen indirekten Folgen – um die eingangs gestellte Frage.

Dazu muss ich ein wenig ausholen. Und eine Behauptung aufstellen: Zumindest unsere europäische (vielleicht könnte man auch ‚westliche‘ schreiben) Gesellschaft ist milde schläfrig gemacht worden. Unsere Wirtschaft wird schon seit mindestens zwei Jahrzehnten planwirtschaftlich begleitet. Nicht unschuldig daran ist das Euro Währungssystem, welches zu Ungleichheiten innerhalb der europäischen Volkswirtschaften geführt hat, die vor allem mit Nebelkerzen aus dem Hause der Notenbank überdeckt wurden. Begleitet durch die Vorstellung eines idealen Europas, wurde ein System geschaffen, welches nur noch mit geldpolitischen Interventionen (Nullzins, Anleihenaufkäufe durch die EZB) am Leben gehalten wird.

Und daran ist keineswegs der Virus schuld. Genauso wenig waren die Kreditaufnahmen amerikanischer Häuslebauer schuld an der Finanzkrise 2007/2008. Beide, das Coronavirus als auch die Machenschaften um die faulen Immobilienkredite, decken Schwächen unseres Systems auf. Echte Probleme, die immer noch vorhanden sind. Anstatt sie tiefgreifend zu diskutieren und durch Reformen (also Systemanpassungen) auszumerzen, wurden die Symptome bekämpft.

Vielleicht kommt dir das bekannt vor, wenn du in einem Unternehmen arbeitest, welches an „Problemen“ herumdoktert, die eigentlich nur Symptome sind. Die echten Probleme liegen meist eine Ebene tiefer, über die nicht gesprochen wird. Tabu! Genauso tabu wie eine Abschaffung oder Reform des europäischen Währungssystems zum Beispiel.

Noch mal eine Analogie zu Unternehmen. In vielen Organisationen gibt es Praktiken wie die Zeiterfassung mit dazugehörigen Regeln. Zum Beispiel: Nicht mehr als 15 Überstunden, sonst wird gestrichen! Das hört sich auch erstmal gut an. Schließlich erhält man einen Indikator, der anzeigen könnte, ob MitarbeiterInnen überlastet sind, zumindest aber regelmäßig länger arbeiten als „eingeplant“. In dem Fall könnte man den Ursachen dafür auf den Grund gehen und Lösungen finden. Oder man macht es sich einfach: Verschieben wir die Grenze auf 30 Stunden. Oder: Okay, wir übernehmen die Überstunden in das nächste Quartal, aber nur als Ausnahme. Eine Regel, die im Vertrag von Maastricht festgeschrieben wurde, lautet: Schuldenstandsquote unter 60% des BIP! Griechenland, Italien, Portugal, Belgien, Zypern, Spanien, Frankreich, … alles Ausnahmen.

Die milde Form der Planwirtschaft

Einige Banken wurden in der Finanzkrise 2007/2008 durch den Steuerzahler gerettet. Kurzfristig war das Krisenmanagement erfolgreich. Es war richtig, umfassende Garantien auszusprechen und das Feuer sofort zu löschen. Im Anschluss wurde dann aber nicht wirksam an den Ursachen gearbeitet, Strukturreformen blieben weitgehend aus. Wirtschaftliche Ungleichgewichte, die durch die Krise sichtbar wurden, wie die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Volkswirtschaften im Eurosystem, wurden direkt wieder übertüncht. Mit fortwährender Rettung hilft man einem Staat aber nicht. Man hält ihn einfach weiter in der aussichtslosen Position. Das ist unanständig.

Durch das massive Eingreifen der Europäischen Notenbank, durch das Überschwemmen der Märkte mit Liquidität und dem Angebot Kredite für nahezu 0% zu refinanzieren, wurden die Symptome zwischen der Finanzkrise und dem Coronavirus gelindert, die strukturellen Probleme aber nicht oder nur unzureichend angegangen.

Zentrale Instanzen, sei es die europäische Politik oder die Notenbank, versuchen das Schiff zu steuern. Staaten und Unternehmen, die ohne Eingriffe wie Subventionierung oder Nullzins, nicht überleben würden, werden künstlich über Wasser gehalten. Für sie gibt es zwei Möglichkeiten, die beide nicht rosig aussehen (dazu unten mehr). Das ist unanständig.

Rechts oder links? Liberal oder sozial? Konservativ oder progressiv?

Ich hoffe sehr oder wünsche mir, dass sich die direkten Auswirkungen der Corona-Pandemie in Grenzen halten! Dieser Virus zeigt uns aber einmal mehr, dass unsere Systeme jederzeit durch einen externen Schock getroffen werden können. Schocks, die Entwicklungen auslösen, die Staaten und Notenbanken nicht unter ihrer Kontrolle haben. Schocks, die Nebelkerzen löschen und die echten Probleme aufdecken.

Und trotzdem, und das ist das Paradoxe, wird nach Vater Staat gerufen. Obwohl erkennbar ist, dass die Steuerung durch zentrale Instanzen wie die Regierung, überfordert ist, wird nach mehr Steuerung gerufen. Die sollen endlich was machen da oben! Aber so einfach ist es leider nicht.

Wenn die Wirtschaft den shutdown macht, Menschen arbeitslos werden, Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit rutschen, Kredite ausfallen, Banken pleite gehen, Staaten und Notenbank überfordert sind, dann ist das System als solches in Frage gestellt. Und damit sind wir wieder bei der Frage:

In welchem gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Ordnungsrahmen wollen wir leben?

Ich stelle dir mal zwei Alternativen zur Auswahl, in Form von Stichworten:

  1. Schluss mit der Globalisierung, entmachtet die Eliten, verstaatlicht die Banken und die maroden Unternehmen, enteignet die Immobilienbesitzer, Wohnungen für alle, ordnet Arbeitssuchende gemeinnützigen Unternehmen zu, die von Staatsorganen geleitet werden, Schulden vergemeinschaftlichen, …
  2. Weg mit der Regulierung und den Subventionen, lasst die freien Marktkräfte walten. Die Preise an den Finanzmärkten zeigen uns, wo es lang geht. Maximierung des Wirtschaftswachstums und des Shareholder Value, Wettbewerb der Staaten, dominierende Wertevorstellung, …

Wie würdest du dich entscheiden?

Polarisierung und Einfärberei

Laissez-faire Liberalismus unter der Herrschaft des Markts mit der maximalen Freiheit jedes einzelnen – me first! Oder doch lieber das Kollektiv, in Gleichheit und Gerechtigkeit. Irgendwie werden wir die schon finden, die objektive Gerechtigkeit. Und dann wird uns die Regierung schon dahin steuern…

Was hört sich besser an? Hast du dich schon entschieden? Ich nicht! Ich will mich nicht entscheiden! Die Welt ist zu komplex, um ein Mustersystem zu installieren. Es gibt keine einfachen Lösungen. Und was mich gehörig stört ist die Polarisierung in der Politik auf allen Ebenen bis hin zum Stammtisch. Bin ich rechts? Bin ich links? Konservativ oder progressiv? Liberal oder sozial? Anscheinend muss man irgendwas davon sein. Zumindest erscheint es mir so, als müsse man jede und jeden in genau eine Kategorie packen. Und das ist ein Problem. Wir diskutieren dann nicht mehr um die Sache selbst, sondern wir versuchen nur noch unseren Standpunkt zu verteidigen.

Polarisieren bringt uns nicht weiter. Wir lösen so unsere komplexen Probleme nicht. Atomstrom oder nicht? E-Autos oder nicht? Freie Marktwirtschaft oder nicht? Kapitalismus oder nicht? Soziale Umverteilung oder nicht? Strikte Regeln oder nicht? Föderalismus oder nicht? Das sind die falschen Fragen. Ein Ja oder ein Nein führt nicht zur besten Lösung.

Auch das politische Parteiensystem zeigt Schwächen in Komplexität. Bist du schwarz oder rot? Grün oder blau? Oder in welcher Farbe bist du unterwegs? Bist du also konservativ? Oder Umweltschützer? Oder nationalistisch? Sozialistisch? Und wenn du für dich gewählt hast, dann übernimm bitte die Farbe in Gänze und sei konform!

Eine soziale Arbeitnehmerpartei sein – das funktioniert nicht mehr. Die Christdemokraten folgen auf dem Fuß. Umweltpartei – ebenso eindimensional. Alternative oder linke – ideologisch. Tierschutz? Pirat?

Ich will mich auf keinen Pol festlegen. Und ich will mich nicht einfärben. Das führt nicht zur besten Lösung, da bin ich mir sicher. Wir brauchen eine angemessene Auseinandersetzung mit den komplexen Herausforderungen unserer Zeit, bevor das Pendel kollektiv in ein extrem ausschlägt. Aus den Inhalten nahezu aller Parteien, die ich oben angedeutet habe, finde ich Teile, denen ich zustimme – und immer auch Teile, denen ich nicht zustimme. Nur in den extremen Rändern finde ich keine mehr.

Was hat der Virus jetzt damit zu tun?

Ich komme in diesem Artikel vom Coronavirus zur Wirtschafts- und Geldpolitik, eigentlich bis auf akute Krisenmaßnahmen eher voneinander unabhängige Themen. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den komplexen Problemen unserer Zeit benötigen wir auch ohne Viruskrise. Die Krise könnte die Relevanz der Fragestellung aber deutlich erhöhen. Nämlich dann, wenn eine Depression unser derzeitiges System ins Wanken bringt.

Schlittern wir in eine Depression?

Einen weltweiten Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität lösen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zweifellos aus. Und eine Rezession war nach Jahren des Booms auch überfällig. Möglicherweise kommen wir damit aber nicht davon. Einen so massiven shutdown der globalisierten Weltwirtschaft hatten wir noch nicht. Führt er uns in eine wirtschaftliche Depression? Oder wird es halb so schlimm? Die Börsen werden es uns bald anzeigen.

Welche Politik folgt nach der Depression?

Kommen wir um eine ausgewachsene Depression herum, wird der große Knall wahrscheinlich noch einmal aufgeschoben. Sonst wird es spannend. Wenn zunächst die Wirtschaft und in ihrem Zuge das Finanzsystem zusammenbrechen, bekommen wir dann ein mehr an Staat und Planwirtschaft? Verstaatlichte Banken, verstaatlichte Unternehmen, Inflation, Enteignung, die Schuldenunion usw.? Schlittern wir in den Sozialismus 2.0, in eine EDR, eine Europäische Demokratische Republik? Oder schlägt das Pendel in den Nationalismus aus? Europa ist gescheitert, zurück zum Nationalstaat bis hin zum Rechtsextremismus?

Oder schaffen wir es, fernab von Ideologien, unsere nationale Politik und die Europapolitik zu modernisieren, uns differenziert mit Fragen zur Währungspolitik, Wirtschaftsordnung, Bildungspolitik, Freiheit und Solidarität usw. auseinanderzusetzen? Ich lade dich schon jetzt ein das zu tun und freue mich auf deinen Kommentar oder deinen Blogartikel zum Thema, den du gerne hier verlinken kannst!

Zombiunternehmen

Zurück zu den Unternehmen, die durch Maßnahmen der Politik, vor allem der Geldpolitik, noch leben und die von manchen Ökonomen auch Zombiunternehmen genannt werden. Für sie gibt es zwei mögliche Wege. Entweder wir kehren zurück zu mehr Marktwirtschaft und lassen die Marktkräfte walten. Dann wird die unsichtbare Hand des Marktes dafür sorgen, dass diese Unternehmen aussortiert werden und Platz machen für Neues. Oder aber wir gehen in Richtung mehr Staat, mehr Planwirtschaft. Dann werden diese Unternehmen weiter am Leben gehalten, ohne aber eine marktwirtschaftliche Grundlage zu haben. Diese Unternehmen werden unter freien Bedingungen nicht mehr benötigt. Sie leben dennoch weiter. Die Organisationen lernen nicht mehr. Ein Teil der Wirtschaft passt sich nicht mehr an geänderte Rahmenbedingungen an, produziert fehlgeleitet Produkte und Dienstleistungen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Unternehmen lernen irgendwann schmerzhaft, dass sie ihre Arbeitskraft lange Zeit für etwas eingesetzt haben, was künstlich am Leben erhalten wurde. Ist das nicht unanständig?

Phasensprung

So düster die Folgen des Virus selbst, die zu erwartenden wirtschaftlichen Verwerfungen und die Gefahr extremistischer Politik auch sein mögen, bieten sich in Krisen auch immer neue Chancen. Das Virus bringt die Welt erst einmal ordentlich durcheinander. Etablierte Strukturen und Konventionen werden hinterfragt. Plötzlich sind die meisten von uns im Home Office. Was vorher undenkbar war („Das geht nicht, wo kommen wir denn da hin? Dann geht die Firma den Bach runter!“), ist Realität und man erfährt plötzlich, dass es alles andere als ein Weltuntergang, ja nichtmal ein echtes Hindernis, ist.

In diesem Sinne, positiv denken… Das beste Europa steht uns hoffentlich noch bevor!

So, und nun interessiert mich deine Meinung! Stay strong!

Dieser Beitrag ist durch einen Impuls von dem 4. Perspektivwechsel auf Corona aus Mark Poppenborg’s Artikel entstanden.

Ich glaube zwar nicht an Zukunfts-Intelligenz und denke auch nicht, dass der Virus uns aus der Zukunft gesendet wurde, kann die Lektüre des folgenden Artikels aber ebenso empfehlen: https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/


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7 Comments on “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

  1. Es gibt eine Alternative zu mehr Staat, oder mehr Markt. Es gibt mehr von beidem und gleichzeitig mehr Sicherheit, Freiheit, Gleichheit und Gerchtigkeit. Das glauben Sie nicht?

    Unter dem Arbeitstitel: Öko-Sozialistischer-Kapitalismus arbeite ich gerade daran.

    Im Mittelpunkt steht die Frage:

    Wie können wir die Vortgeile individueller Initiative und ökonomischen Wettbewerb mit einer staatlichen/gesellschaftlichen Wirtschaftssteuerung kombinieren?

    Wie kann der Verlust an Wohlbefinden, Zufriedenheit, Gesundheit, Umwelt und Allgemeinwohl so gering wie möglich gehalten werden trotz gesellschaftlicher Steuererung der Wirtschaft?

    Kann vielleicht sogar durch die Steuerung, bei richtigerer Verwendung staatlicher Mittel, GEWINN an Wohlbefinden etc., aber auch an ökologisch-sozialer Wirkung erzielt werden?

    Freue mich über jede Anwort, Kritik, Anregung und Ergänzung.

    • Hallo Alfred, danke für deinen Kommentar!

      An Gleichheit glaube ich nicht, wir sind eben nicht alle gleich und sollten auch nicht gleich gemacht werden. Die Chance liegt ja gerade in der Unterschiedlichkeit. Allerdings muss das System, in dem wir leben und wirtschaften möglichst gerecht konstruiert sein. Da bin ich bei dir – da hakt es sicher und es gibt bestimmt einiges zu tun.

      Eine staatliche Wirtschaftssteuerung sehe ich kritisch. Der Staat sollte vernünftige Rahmenbedingungen, ein ausgewogenes und angemessenes, möglichst einfaches Steuer- und Sozialsystem und grundlegende Infrastruktur für alle zur Verfügung stellen. Aber bitte nicht die Wirtschaft steuern. Und die Gesellschaft steuert die Wirtschaft ja ohnehin. Mit ihrer Nachfrage nach Produkten und Diensten, für die sie bereit sind einen Preis zu zahlen.

      Viele Grüße, Torben

      • Hallo Torben,

        danke für Deine Gedanken. Du hast völlig recht, die Gesellschaft steuert die Wirtschaft aber nur durch Nachfrage am Markt. Wie steht es aber mit den Angeboten?

        Kann jeder Bürger, zu jeder Zeit seine Potentiale erforschen, Fähigkeiten entwickeln und mit eigene Leistungen Angebote an die Mitmenschen machen?

        Können wir über den Staat indirekt „steuern“, ohne das wir die Handlungsmöglichkeiten der Menschen einschränken und Eigentum aus eigener Leistung, vor allem deren Erträge, besser schützen?

        Das können wir, wenn wir die Natur-, und Kulturallmenden, alles was vor jeder individuellen Handlung und Leistung existiert, gerechter verteilen. Natürlich ist es nicht sinnvoll die begrenzte und anders kombinierte Materie zu verteilen. Aber warum nicht die Erträge daraus?

        Bestenfalls nicht als Steuer, die von Staatsdienern willkürlich verteilt wird, sondern als Umlage. Im Gegensatz zu Steuern werden Umlagen nach Nutzung und Verbrauch erhoben, aber pauschal (in gleicher Summe) an alle Bürger zurückverteilt. Dies bedeutet, dass netto nur diejenigen Menschen zahlen, die Ressourcen über dem gesellsschaftlichen Durchschnitt verbrauchen.

        Die wichtigste Kultur-Allmende ist das Geld, staatl. privilegiert durch Banken mit solventen Kunden „produziertes“, durch einen Kreditvertrag und dessen Verbuchung. Soll das gerecht sein?

        Wer schenkt dem Fiat-Geld seine Kaufkraft, wenn nicht jeder Arbeiter und Unternehmer, die ihre Fähigkeiten und Produkte ohne Garantien einüben und entwickeln, Leistungen erbringen und diese auf eigenes Risiko den Mitmenschen anbieten?

        Warum nicht das Geld zeitgemäß weiterentwickeln zu einem zentral „geschöpftem“ virtuellem Leistungsersatz und als Schenkgeld (Helikoptergeld) gleich und gerecht an alle Bürger mtl. überweisen, entsprechend dem Überangebot an Leistungen und Gütern? Damit läßt sich die Inflation oder Preisstabilität viel direkter steuern als heute.

        Über Ressourcen und Umwelt-Umlagen, sowie Verbrauchs-Steuern statt Lohn- u. Einkommenssteuern, wird Leistung motiviert, selbst verdientes Einkommen geschützt und die Umwelt geschont. Ein weiteres Instrument ist die Umsatzsteuer, die ab 10.000 Euro pro Monat auf alle Erträge und Umsätze in Höhe von 9% erhoben werden kann. Große Umsätze und Erträge ab 50.000 Euro könnten mit 19%, sowie Erträge ab 100.000 Euro mtl. mit 29 % Umsatzsteuer belastet werden. Nur einige Ideen für mehr Freiheit für alle.

        „Wir“ steuern damit indirekt, indem wir eigene Leistungen und Risiken mehr belohnen, Naturverbrauch mehr belasten. Durch den Verzicht auf Einkommens-Steuern bis 10.000 Euro pro Monat, sowie Sozialabgaben, diese werden durch Verbrauchs-Steuern ersetzt, kann jeder viel mehr Geld sparen. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die sich die „falschen“ Eltern, Geburtsort, Hautfarbe, Geschlecht, Gene etc. „ausgesucht“ haben. Weniger Konsum und/oder von kleinen Anbietern und Unternehmen kaufen verringert weiter die eigenen Steuerzahlungen. Der Abstand zwischen Arm und Reich wird verringert, dass größte Risiko für den sozialen Frieden auf der Welt.

        Wen meine Forschungs-Ergebnisse interessieren kann sie kostenlos unter info@alfredreimann.de als PDF anfordern. Zumindest die ersten rohen Entwürfe, oder sich ein älteres E-Book „Glück durch ethisches Handeln und Wirtschaften“ schenken lassen. Schenken macht mich glücklich, Sie auch?

        Es gibt noch viele Möglichkeiten in Deutschland mehr Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit gleichzeitig zu erhöhen!
        Wollen Sie mir dabei helfen diese Möglichkeiten zu erforschen, zu formulieren, zu diskutieren und den Mitmenschen anzubieten? Wir sind noch wenige, können aber jede Kritik, Anregung und Ergänzung gut gebrauchen.

  2. Ich mag ja die Kritik an der institutionellen, teuren Aufrechterhaltung des Status Quo (Bankenrettung, Anleihenkäufe etc) – in Kombination mit ausbleibenden „echten“ Strukturreformen – teilen, aber was mich an solchen Artikeln oft stört, ist die argumentative Verknüpfung mit dem politisch gewollten Europa samt Eurosystem. Die USA sind in der gleichen Situation und die dortigen Institutionen bedienen sich derselben Instrumente, ganz ohne Euro und EU.

    • Hallo Ravis, danke für deinen Kommentar!
      Ok, es lässt sich bestimmt darüber streiten, in wie weit die Konstruktion des Euros selbst an den Problemen mitwirkt und in welchem Maß wir die geldpolitischen Probleme ohne den Euro haben würden. Wir werden es nie erfahren. Ich bin auch nicht gegen ein gemeinsames Europa, im Gegenteil. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass wir einen Teil der wirtschaftlichen Probleme dem Konstrukt der Einheitswährung für unterschiedliche Volkswirtschaften zu verdanken haben. Und dabei ist keinem geholfen. Im Gegenteil, die sich anstauenden Ungleichgewichte führen eher zur Spaltung.

  3. Hallo Torben,

    kannst Du mir einen Rat geben?

    Ist mein Beitrag unverständlich oder unsinnig?

    Warum interessiert sich niemand für meine Forschung, wo es doch viele kluge Fragen gibt, die auch Du stellst?

    Ist Glück und Ökonomoie für Deutsche ein natürlicher Widerspruch, wie mein Bekannter Alexander von Reumont am Telefon meinte?

    Da ich mit meinem Latein am Ende bin, bin ich für jede Anregung, Kritik und Ergänzung dankbar.

    Wo sind die Neugierigen, die hinter die Phänomene schauen, zwei Schritte zurücktreten und das Främing verlassen?

  4. Pingback: Wochenschau 22/2020 › Die zwei Seiten der IT

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