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	<title>Krise Archive &#8226; Reflect-ion</title>
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	<description>neue Wirtschaft und finanzielle Selbstständigkeit</description>
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	<title>Krise Archive &#8226; Reflect-ion</title>
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		<title>In welcher Gesellschaft wollen wir leben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Torben Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Mar 2020 17:19:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neue Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren? Unser Zusammenleben, Politik und Wirtschaft &#8211; ja, diese Frage ist zeitlos und so wahrscheinlich auch gar nicht zu beantworten. Die Antwort wäre viel zu komplex. Ist die Frage denn überhaupt relevant? Es ändert &#8230; </p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren? Unser Zusammenleben, Politik und Wirtschaft &#8211; ja, diese Frage ist zeitlos und so wahrscheinlich auch gar nicht zu beantworten. Die Antwort wäre viel zu komplex. Ist die Frage denn überhaupt relevant? Es ändert sich doch sowieso nix!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das könnte sich ändern. Die Frage gewinnt an Relevanz &#8211; in der Krise. Denn Krisen haben das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen. Hast du vielleicht schon mal in einem krisengeschüttelten Unternehmen gearbeitet? Dann weißt du aus eigener Erfahrung, wie eine Krise Veränderungen ermöglicht oder herbeiführt, die vorher noch undenkbar waren. Wenn du das noch nicht erlebt hast, die Chance ist gerade durch die unmittelbaren Auswirkungen des Coronavirus deutlich gestiegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Whatever it takes!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie wir leben, wie wir uns verhalten und vielleicht sogar wie wir denken, das hängt entschieden vom System ab, in dem wir uns befinden. Zentrale Instanzen haben typischerweise eine Vorstellung von einem Ideal, welches sie versuchen zu verteidigen, ja möglichst irgendwie stabil zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gilt für die Politik ganz ähnlich wie auch für Unternehmen. Das gilt zum Beispiel für die Eurorettung. Der Euro soll mit allen Mitteln erhalten werden &#8211; „Whatever it takes“. Er ist scheinbar die ideale Währung. Und das gilt für Strukturen in Unternehmen, selbst wenn diese schon lange nicht mehr zum komplexen Marktumfeld passen. Es gibt scheinbar die eine ideale Organisation. Zumindest aus zentraler Sicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentrale Instanz steuert, stellt Regeln auf und etabliert das System. Das Gesellschaftssystem, das Wirtschaftssystem, die Unternehmensorganisation usw. Die Freiheit des Einzelnen wird dadurch eingeschränkt, ob nun im negativen oder positiven Sinne. Der Erfolg der Gesellschaft, der Volkswirtschaft oder des einzelnen Unternehmens hängt dann maßgeblich davon ab, wie gut die Entscheidungen der zentralen Instanz sind, wie gut oder passend sie das Regelwerk aufgebaut haben, wie gut sie steuern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Staaten und Unternehmen scheitern nicht, weil sie die „falschen“ Bürger oder Mitarbeiter haben. Sie scheitern, wenn die Steuerung versagt, die Regierung oder die Unternehmensführung an der Realität vorbei steuert und an Idealen haften bleibt, die nicht mehr zu den Problemen der Zeit passen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Coronavirus löscht die Nebelkerzen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Coronavirus-Pandemie und die damit ausgelöste Erkrankung der Menschen an COVID-19 ist tragisch. Die direkten Folgen sind unübersehbar und in allen erdenklichen Medien präsent, wenn nicht überpräsent. Mir geht es hier aber um die möglichen indirekten Folgen &#8211; um die eingangs gestellte Frage.</p>



<span id="more-1748"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu muss ich ein wenig ausholen. Und eine Behauptung aufstellen: Zumindest unsere europäische (vielleicht könnte man auch ‚westliche‘ schreiben) Gesellschaft ist milde schläfrig gemacht worden. Unsere Wirtschaft wird schon seit mindestens zwei Jahrzehnten planwirtschaftlich begleitet. Nicht unschuldig daran ist das Euro Währungssystem, welches zu Ungleichheiten innerhalb der europäischen Volkswirtschaften geführt hat, die vor allem mit Nebelkerzen aus dem Hause der Notenbank überdeckt wurden. Begleitet durch die Vorstellung eines idealen Europas, wurde ein System geschaffen, welches nur noch mit geldpolitischen Interventionen (Nullzins, Anleihenaufkäufe durch die EZB) am Leben gehalten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und daran ist keineswegs der Virus schuld. Genauso wenig waren die Kreditaufnahmen amerikanischer Häuslebauer schuld an der Finanzkrise 2007/2008. Beide, das Coronavirus als auch die Machenschaften um die faulen Immobilienkredite, decken Schwächen unseres Systems auf. Echte Probleme, die immer noch vorhanden sind. Anstatt sie tiefgreifend zu diskutieren und durch Reformen (also Systemanpassungen) auszumerzen, wurden die Symptome bekämpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht kommt dir das bekannt vor, wenn du in einem Unternehmen arbeitest, welches an „Problemen“ herumdoktert, die eigentlich nur Symptome sind. Die echten Probleme liegen meist eine Ebene tiefer, über die nicht gesprochen wird. Tabu! Genauso tabu wie eine Abschaffung oder Reform des europäischen Währungssystems zum Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch mal eine Analogie zu Unternehmen. In vielen Organisationen gibt es Praktiken wie die Zeiterfassung mit dazugehörigen Regeln. Zum Beispiel: Nicht mehr als 15 Überstunden, sonst wird gestrichen! Das hört sich auch erstmal gut an. Schließlich erhält man einen Indikator, der anzeigen könnte, ob MitarbeiterInnen überlastet sind, zumindest aber regelmäßig länger arbeiten als „eingeplant“. In dem Fall könnte man den Ursachen dafür auf den Grund gehen und Lösungen finden. Oder man macht es sich einfach: Verschieben wir die Grenze auf 30 Stunden. Oder: Okay, wir übernehmen die Überstunden in das nächste Quartal, aber nur als Ausnahme. Eine Regel, die im Vertrag von Maastricht festgeschrieben wurde, lautet: Schuldenstandsquote unter 60% des BIP! Griechenland, Italien, Portugal, Belgien, Zypern, Spanien, Frankreich, … alles Ausnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die milde Form der Planwirtschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Banken wurden in der Finanzkrise 2007/2008 durch den Steuerzahler gerettet. Kurzfristig war das Krisenmanagement erfolgreich. Es war richtig, umfassende Garantien auszusprechen und das Feuer sofort zu löschen. Im Anschluss wurde dann aber nicht wirksam an den Ursachen gearbeitet, Strukturreformen blieben weitgehend aus. Wirtschaftliche Ungleichgewichte, die durch die Krise sichtbar wurden, wie die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Volkswirtschaften im Eurosystem, wurden direkt wieder übertüncht. Mit fortwährender Rettung hilft man einem Staat aber nicht. Man hält ihn einfach weiter in der aussichtslosen Position. Das ist unanständig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch das massive Eingreifen der Europäischen Notenbank, durch das Überschwemmen der Märkte mit Liquidität und dem Angebot Kredite für nahezu 0% zu refinanzieren, wurden die Symptome zwischen der Finanzkrise und dem Coronavirus gelindert, die strukturellen Probleme aber nicht oder nur unzureichend angegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentrale Instanzen, sei es die europäische Politik oder die Notenbank, versuchen das Schiff zu steuern. Staaten und Unternehmen, die ohne Eingriffe wie Subventionierung oder Nullzins, nicht überleben würden, werden künstlich über Wasser gehalten. Für sie gibt es zwei Möglichkeiten, die beide nicht rosig aussehen (dazu unten mehr). Das ist unanständig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Rechts oder links? Liberal oder sozial? Konservativ oder progressiv?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe sehr oder wünsche mir, dass sich die direkten Auswirkungen der Corona-Pandemie in Grenzen halten! Dieser Virus zeigt uns aber einmal mehr, dass unsere Systeme jederzeit durch einen externen Schock getroffen werden können. Schocks, die Entwicklungen auslösen, die Staaten und Notenbanken nicht unter ihrer Kontrolle haben. Schocks, die Nebelkerzen löschen und die echten Probleme aufdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und trotzdem, und das ist das Paradoxe, wird nach Vater Staat gerufen. Obwohl erkennbar ist, dass die Steuerung durch zentrale Instanzen wie die Regierung, überfordert ist, wird nach mehr Steuerung gerufen. Die sollen endlich was machen da oben! Aber so einfach ist es leider nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Wirtschaft den shutdown macht, Menschen arbeitslos werden, Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit rutschen, Kredite ausfallen, Banken pleite gehen, Staaten und Notenbank überfordert sind, dann ist das System als solches in Frage gestellt. Und damit sind wir wieder bei der Frage: </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In welchem gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Ordnungsrahmen wollen wir leben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stelle dir mal zwei Alternativen zur Auswahl, in Form von Stichworten:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Schluss mit der Globalisierung, entmachtet die Eliten, verstaatlicht die  Banken und die maroden Unternehmen, enteignet die Immobilienbesitzer, Wohnungen für alle, ordnet Arbeitssuchende gemeinnützigen Unternehmen zu, die von Staatsorganen geleitet werden, Schulden vergemeinschaftlichen, …</li><li>Weg mit der Regulierung und den Subventionen, lasst die freien Marktkräfte walten. Die Preise an den Finanzmärkten zeigen uns, wo es lang geht. Maximierung des Wirtschaftswachstums und des Shareholder Value, Wettbewerb der Staaten, dominierende Wertevorstellung, …<br></li></ol>



<p class="wp-block-paragraph">Wie würdest du dich entscheiden?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Polarisierung und Einfärberei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laissez-faire Liberalismus unter der Herrschaft des Markts mit der maximalen Freiheit jedes einzelnen &#8211; me first! Oder doch lieber das Kollektiv, in Gleichheit und Gerechtigkeit. Irgendwie werden wir die schon finden, die objektive Gerechtigkeit. Und dann wird uns die Regierung schon dahin steuern…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hört sich besser an? Hast du dich schon entschieden? Ich nicht! Ich will mich nicht entscheiden! Die Welt ist zu komplex, um ein Mustersystem zu installieren. Es gibt keine einfachen Lösungen. Und was mich gehörig stört ist die Polarisierung in der Politik auf allen Ebenen bis hin zum Stammtisch. Bin ich rechts? Bin ich links? Konservativ oder progressiv? Liberal oder sozial? Anscheinend muss man irgendwas davon sein. Zumindest erscheint es mir so, als müsse man jede und jeden in genau eine Kategorie packen. Und das ist ein Problem. Wir diskutieren dann nicht mehr um die Sache selbst, sondern wir versuchen nur noch unseren Standpunkt zu verteidigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Polarisieren bringt uns nicht weiter. Wir lösen so unsere komplexen Probleme nicht. Atomstrom oder nicht? E-Autos oder nicht? Freie Marktwirtschaft oder nicht? Kapitalismus oder nicht? Soziale Umverteilung oder nicht? Strikte Regeln oder nicht? Föderalismus oder nicht? Das sind die falschen Fragen. Ein Ja oder ein Nein führt nicht zur besten Lösung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das politische Parteiensystem zeigt Schwächen in Komplexität. Bist du schwarz oder rot? Grün oder blau? Oder in welcher Farbe bist du unterwegs? Bist du also konservativ? Oder Umweltschützer? Oder nationalistisch? Sozialistisch? Und wenn du für dich gewählt hast, dann übernimm bitte die Farbe in Gänze und sei konform!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine soziale Arbeitnehmerpartei sein &#8211; das funktioniert nicht mehr. Die Christdemokraten folgen auf dem Fuß. Umweltpartei &#8211; ebenso eindimensional. Alternative oder linke &#8211; ideologisch. Tierschutz? Pirat?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich will mich auf keinen Pol festlegen. Und ich will mich nicht einfärben. Das führt nicht zur besten Lösung, da bin ich mir sicher. Wir brauchen eine angemessene Auseinandersetzung mit den komplexen Herausforderungen unserer Zeit, bevor das Pendel kollektiv in ein extrem ausschlägt. Aus den Inhalten nahezu aller Parteien, die ich oben angedeutet habe, finde ich Teile, denen ich zustimme &#8211; und immer auch Teile, denen ich nicht zustimme. Nur in den extremen Rändern finde ich keine mehr. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Was hat der Virus jetzt damit zu tun?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich komme in diesem Artikel vom Coronavirus zur Wirtschafts- und Geldpolitik, eigentlich bis auf akute Krisenmaßnahmen eher voneinander unabhängige Themen. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den komplexen Problemen unserer Zeit benötigen wir auch ohne Viruskrise. Die Krise könnte die Relevanz der Fragestellung aber deutlich erhöhen. Nämlich dann, wenn eine Depression unser derzeitiges System ins Wanken bringt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schlittern wir in eine Depression?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einen weltweiten Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität lösen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zweifellos aus. Und eine Rezession war nach Jahren des Booms auch überfällig. Möglicherweise kommen wir damit aber nicht davon. Einen so massiven shutdown der globalisierten Weltwirtschaft hatten wir noch nicht. Führt er uns in eine wirtschaftliche Depression? Oder wird es halb so schlimm? Die Börsen werden es uns bald anzeigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Welche Politik folgt nach der Depression?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kommen wir um eine ausgewachsene Depression herum, wird der große Knall wahrscheinlich noch einmal aufgeschoben. Sonst wird es spannend. Wenn zunächst die Wirtschaft und in ihrem Zuge das Finanzsystem zusammenbrechen, bekommen wir dann ein mehr an Staat und Planwirtschaft? Verstaatlichte Banken, verstaatlichte Unternehmen, Inflation, Enteignung, die Schuldenunion usw.? Schlittern wir in den Sozialismus 2.0, in eine EDR, eine Europäische Demokratische Republik? Oder schlägt das Pendel in den Nationalismus aus? Europa ist gescheitert, zurück zum Nationalstaat bis hin zum Rechtsextremismus?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder schaffen wir es, fernab von Ideologien, unsere nationale Politik und die Europapolitik zu modernisieren, uns differenziert mit Fragen zur Währungspolitik, Wirtschaftsordnung, Bildungspolitik, Freiheit und Solidarität usw. auseinanderzusetzen? Ich lade dich schon jetzt ein das zu tun und freue mich auf deinen Kommentar oder deinen Blogartikel zum Thema, den du gerne hier verlinken kannst!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zombiunternehmen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zu den Unternehmen, die durch Maßnahmen der Politik, vor allem der Geldpolitik, noch leben und die von manchen Ökonomen auch Zombiunternehmen genannt werden. Für sie gibt es zwei mögliche Wege. Entweder wir kehren zurück zu mehr Marktwirtschaft und lassen die Marktkräfte walten. Dann wird die unsichtbare Hand des Marktes dafür sorgen, dass diese Unternehmen aussortiert werden und Platz machen für Neues. Oder aber wir gehen in Richtung mehr Staat, mehr Planwirtschaft. Dann werden diese Unternehmen weiter am Leben gehalten, ohne aber eine marktwirtschaftliche Grundlage zu haben. Diese Unternehmen werden unter freien Bedingungen nicht mehr benötigt. Sie leben dennoch weiter. Die Organisationen lernen nicht mehr. Ein Teil der Wirtschaft passt sich nicht mehr an geänderte Rahmenbedingungen an, produziert fehlgeleitet Produkte und Dienstleistungen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Unternehmen lernen irgendwann schmerzhaft, dass sie ihre Arbeitskraft lange Zeit für etwas eingesetzt haben, was künstlich am Leben erhalten wurde. Ist das nicht unanständig?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phasensprung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">So düster die Folgen des Virus selbst, die zu erwartenden wirtschaftlichen Verwerfungen und die Gefahr extremistischer Politik auch sein mögen, bieten sich in Krisen auch immer neue Chancen. Das Virus bringt die Welt erst einmal ordentlich durcheinander. Etablierte Strukturen und Konventionen werden hinterfragt. Plötzlich sind die meisten von uns im Home Office. Was vorher undenkbar war (&#8222;Das geht nicht, wo kommen wir denn da hin? Dann geht die Firma den Bach runter!&#8220;), ist Realität und man erfährt plötzlich, dass es alles andere als ein Weltuntergang, ja nichtmal ein echtes Hindernis, ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne, positiv denken&#8230; Das beste Europa steht uns hoffentlich noch bevor!</p>



<p class="wp-block-paragraph">So, und nun interessiert mich deine Meinung! Stay strong!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Beitrag ist durch einen Impuls von dem 4. <a href="https://intrinsify.de/4-perspektivwechsel-auf-corona/">Perspektivwechsel auf Corona</a> aus Mark Poppenborg&#8217;s Artikel entstanden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich glaube zwar nicht an Zukunfts-Intelligenz und denke auch nicht, dass der Virus uns aus der Zukunft gesendet wurde, kann die Lektüre des folgenden Artikels aber ebenso empfehlen: <a href="https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/">https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/</a></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://reflect-ion.de/2020/03/in-welcher-gesellschaft-wollen-wir-leben/">In welcher Gesellschaft wollen wir leben?</a> erschien zuerst auf <a href="https://reflect-ion.de">Reflect-ion</a>.</p>
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		<title>Alle reden von der Krise</title>
		<link>https://reflect-ion.de/2019/10/alle-reden-von-der-krise/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Torben Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2019 18:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Finanzielle Selbstständigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Crash]]></category>
		<category><![CDATA[Euro]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Rezession]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aber von welcher Krise wird da gesprochen? Wo hat sie sich versteckt, die Krise? Wie sieht sie aus? Wie groß ist sie? Und wie wird sie sich verhalten, wenn sie erstmal aus der Deckung kommt? Ist da vielleicht &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Aber von welcher Krise wird da gesprochen? Wo hat sie sich versteckt, die Krise? Wie sieht sie aus? Wie groß ist sie? Und wie wird sie sich verhalten, wenn sie erstmal aus der Deckung kommt? Ist da vielleicht doch gar keine Krise? Oder brauchen wir sogar eine Krise?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich meine keine Abkühlung der Weltwirtschaft, eine kleine Konjunkturdelle oder  Rezession, sondern eine ausgewachsene Wirtschaftskrise mit weltweiten Verwerfungen und einem Börsenbeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Crashpropheten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nun bin ich kein Hellseher und muss euch sofort enttäuschen: ich weiß es nicht! „Crashprophten“ oder Berufspessimisten gab es ja schon immer, und es gibt sie auch heute. Es folgt immer dem gleichen Muster: Mehr oder weniger prominente Analysten, Fonds-Manager, Autoren, Journalisten, Politiker, etc. rufen den nächsten Crash herbei. „Der Crash kommt!“, „Der Crash ist da!“, usw. heißt es dann. Und tatsächlich, irgendwann weht er uns mit mehr oder weniger Wucht um die Ohren. Und die Hellseher, die kurz vorher am öffentlichkeitswirksamsten in Erscheinung getreten sind, schaffen es dann auf die Titelblätter der Medien. Hat er oder sie es doch gewusst!</p>



<span id="more-1661"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Dass sie oder er schon seit sieben Jahren vor einer Krise warnt, spielt dann keine Rolle mehr. Aber irgendwas ist auch immer dran, an dem, was da so postuliert wird. Und daher wäre es auch falsch, die Warnungen zu ignorieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wirtschaftskrise</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie können wir nun wissen, wann eine Krisensituation eintritt und wie sich diese entwickelt? Ich behaupte: das geht nicht. Es ist schwierig bis unmöglich den Zeitpunkt der nächsten Krise zu finden und noch weniger den Verlauf einer solchen vorherzusagen. Würden wir das können, dann gäbe es keine Krisen. Wir müssten nur Maßnahmen durchplanen und umsetzen, um alles im Lot zu halten. Bei einem so komplexen System wie der Weltwirtschaft, ist das auf Dauer nicht möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem definiert sich eine Krise durch einen Wendepunkt, der in den meisten Fällen erst nach der Krise als solcher erkannt wird. Tatsachen, die heute bekannt sind, führen in der Regel (bleiben sie unverändert) zu keinem Crash. Mit anderen Worten: ein Crash wird durch ein heute noch unbekanntes Ereignis ausgelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel. Hätten die Kunden vor der Lehman Brothers-Insolvenz und der sich anschließenden „Finanzkrise“ gewusst, was da mit den Verbriefungen fauler Immobiliendarlehen vor sich geht und zu was das führen würde, hätten sich diese nicht mehr verkauft. Die Krise hätte nicht ein so großes Ausmaß angenommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anzeichen und Rahmenbedingungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz meiner Überzeugung, dass ein Crash nicht vorhersehbar eintritt, gibt es Anzeichen und Rahmenbedingungen, die eine Krise wahrscheinlicher machen. Nach dem Motto: So geht es nicht weiter, das muss knallen! Und dann reicht meist ein kleiner Auslöser, der den Stein ins Rollen bringt. Nur wann der Auslöser zündet und welcher genau, das wird man erst im Rückblick ausfindig machen und beschreiben können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anzeichen und Rahmenbedingungen mit Bezug auf Europa</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bleibe zunächst mal in Europa. Dass ich mich hier auf Europa beschränke, heißt nicht, dass ich alles überblicken könnte, was hier auf unserem Kontinent passiert. Wer kann das schon? Aber weltweit kann ich es noch viel weniger.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Euro</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Rahmenbedingung in weiten Teilen des europäischen Wirtschaftsraums ist der Euro. Ich glaube, dass uns die Konstruktion und Installation des Euro-Währungssystems zwangsläufig in eine ausgewachsene Krise führen muss. Das ist eine steile These, mit der ich aber auch nicht alleine dastehe. Das meine ich nicht politisch, ich meine hier tatsächlich die Währung, nicht die Idee der europäischen Integration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte uns der Euro (in seiner jetzigen Form) um die Ohren fliegen, was ich für wahrscheinlicher halte als das Überleben dieser Währung, wird man schnell Schuldige ausfindig machen und anprangern: Politiker(innen), Notenbanker(-innen) und Finanzhaie. Dabei verhalten sich diese nur rational und nicht zu ihrem Nachteil im bestehenden System.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere heutigen Probleme in der Eurozone wurden nicht etwa verursacht durch die Sub Prime-Krise am US-Immobilienmarkt 2017 / 2018, sondern zum großen Teil durch die Fehlkonstruktion des Euro. Die mit Hilfe der Rating-Agenturen gut verpackten faulen Kredite waren die Auslöser, die die Probleme befeuert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Euro als Währung stülpen wir eine zentrale Steuerung über wirtschaftlich und kulturell heterogene Teilnehmerstaaten. Das führt langfristig zu immer größeren Ungleichgewichten, zu Über- und Untersteuerung. Die zentrale Geldpolitik passt nicht zu allen Staaten gleichermaßen gut und fehlende Wechselkurse erscheinen wie fehlende Ventile zwischen Gefäßen höchst unterschiedlichen Drucks, der seine Entladung sucht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politik und die EZB</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die politischen Strukturen sind der Idee der zentralen Währung nicht gewachsen. Defizitquoten und Schuldenlimits, wie sie im Vertrag von Maastricht vereinbart wurden, werden reihenweise gebrochen. Warum denn auch nicht? Man könnte schon fast meinen, man wäre am Ende der Dumme, würde man es nicht auch übertreiben. Die Verschuldung der meisten Staaten steigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folge ist, dass die Europäische Zentralbank sich gezwungen sieht, die Zinsen unter Null zu senken und Maßnahmen wie den Aufkauf von Staatsanleihen zu ergreifen. Das wiederum enteignet den soliden Sparer, der dachte, sein Geld sei auf dem guten alten Sparbuch sicher und torpediert so manche Altersvorsorge.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Banken</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nullzinsen machen das klassische Geschäftsmodell der Banken kaputt. Denn dieses basiert, vereinfacht gesagt, auf der Differenz der Zinssätze für Einlagen und Kredite. Die Bank gibt also ein Immobiliendarlehen für, sagen wir mal 5%, an einen Häuslebauer und gibt dem Sparer per Sparbuch nur 2%. Ein gutes Geschäft für die Bank, aber Sparer und Hausbesitzer waren auch nicht unglücklich. Heute geben Banken Immobiliendarlehen mit 0,x% aus und zahlen ihrerseits Strafzinsen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Noch zehren Banken von den Altverträgen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zombies</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zombie-Unternehmen, das sind Unternehmen, die sich nur dadurch über Wasser halten können, weil neues Geld nichts mehr kostet. So können sich defizitäre Geschäftsmodelle oder ineffiziente Organisationen noch über Wasser halten, die unter „normalen“ Zinsbedingungen schon in die Insolvenz geschlittert wären und ihren Platz hätten räumen müssen. In der nächsten Rezession, spätestens aber in der Krise, wird dann der Stecker gezogen. Kredite fallen aus, was den Banken zusätzlich zu schaffen macht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Welt im Umbruch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sind wir mit unseren Problemen in Europa nicht allein auf der Welt. Und Probleme gibt es einige. Wie immer eigentlich. So lange ich in der Lage bin Nachrichten zu konsumieren, höre, lese und sehe ich überall Probleme. Terrorismus, Konflikte und Stellvertreterkriege, Flüchtlingswellen, politische Instabilität, Wirtschafts- und Währungskrisen einzelner Staaten, Brexit, Ölkrisen,  Börsencrashs, usw. So tragisch und traurig viele dieser aufgezählten Ereignisse sind, an der Weltordnung, wie wir sie heute kennen, also den großen etablieren Systemen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, …), veränderten sie wenig. Rückblickend sind sie Irritationen in einem System, dessen Motto folgendes ist: weiter, immer weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">CO2, China und die Grenzen der Globalisierung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, ich will in diesem Artikel keine Diskussion über den Klimawandel führen. Es gibt genügend Daten, die die Auswirkungen der Industrialisierung auf den CO2-Gehalt und die Entwicklung der Temperatur unserer Erde beschreiben. Wir haben ein sich zuspitzendes Problem, welches die gesamte Menschheit betrifft (zunächst unterschiedlich stark) und das wir nur durch internationale Zusammenarbeit lösen können. Ich glaube nicht, dass Erfindungen bzw. technologische Innovationen allein ausreichen werden, um unsere Umweltprobleme nachhaltig zu lösen. Es braucht ebenso neue soziale Systeme und einen Wertewandel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">China ist auf dem Weg zur Weltmacht. Seit dem zweiten Weltkrieg gibt es nur eine Weltmacht, und das sind die USA. Jetzt macht ihr ein neuer Riese diesen Platz streitig. Und das gefällt den Amerikanern nicht. Ein paar Zölle sind da nur ein Vorspiel eines Konflikts, der das Potenzial hat, die Weltordnung zu verändern. „Kollateralschäden“, das klingt fast euphemistisch, miteingeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Globalisierung hat, wie ja fast alles, positive und negative Gesichter. Wir haben sie mit hohem Tempo vorangetrieben und die Vorteile ausgenutzt, während längst nicht alles mitgewachsen ist. So sind die Wirtschaft, Banken und Finanzmärkte längst global, (Wirtschafts-) Politik, Regulierung, Steuersysteme etc. aber immer noch national. Um hier den nächsten Schritt zu gehen, müssen wir auch diese Systeme „globalisieren“, also international aufstellen. Wie schwierig sich das gestaltet, sehen wir &#8211; und das schließt den Kreis &#8211; allein schon in der EU.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vorbereitung im Ungewissen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Alles das, was ich hier beschreibe, ist ein Abbild dessen, was mir aktuell im Kopf herumschwirrt. Ich schreibe diesen Artikel ohne den Anspruch, hier ein vollständiges Bild der Situation beschreiben zu wollen und wohlwissend, dass ich nicht einschätzen kann, wann wir in der nächsten Krise landen, noch wie diese sich ausgestalten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für dich als Privatanleger wird es am Ende auch zweitrangig sein, was genau zur nächsten großen Krise führen wird und welche Bedingungen und Entwicklungen welchen Anteil daran haben werden. Wichtiger sind die Auswirkungen, die eine solche Krise auf deine finanzielle Situation haben kann und die Frage, ob und wie du dich vorbereiten kannst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber mache ich mir im folgenden Artikel Gedanken. Der ist aber noch nicht fertig. Wenn du künftig über neue Artikel und Podcast-Folgen informiert werden willst, abonniere einfach meinen Newsletter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im folgenden zweiten Teil beschreibe ich mögliche Krisenszenarien, die Auswirkungen auf unsere finanzielle Situation haben können. Ich werfe die Frage auf, ob das Anpassungen der individuellen Asset-Allocation haben sollte und wie verschiedene Vermögenswerte in den unterschiedlichen Szenarien möglicherweise reagieren werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So long, not short!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Podcast-Episode zum Artikel</em><br><div class="podcast-episode episode-1714">
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