Finanzwesir Lesertreff – Zelle Kassel

Beim zweiten Kasseler Lesertreff waren wir eine gesunde Mischung, vier Teilnehmer des ersten Treffens und vier neue Gesichter haben sich über ein breites Themenspektrum aus dem Universum der Finanzen und Investments ausgetauscht. Diskutiert wurde unter anderem über die aktuelle Bewertung der Aktienmärke, auch unter Zuhilfenahme des Shiller-KGVs. Schaut erstmal ziemlich hoch aus… Trotzdem investieren? Immer wieder sprechen wir auch darüber, ob wir nun wirklich komplett passiv investieren sollten oder ob der Mensch nicht doch auch ein wenig Aktivismus und Spannung braucht. Auch erfahrene Anleger haben scheinbar auch noch ein „Spielbein“ neben dem Standbein und investieren einen kleineren Teil auch mal aktiv in bestimmte attraktiv erscheinende Märkte, zum Beispiel nach politischen Verwerfungen.

Viele spannende Fragen

Dann wieder die Frage nach der Portfolio-Aufteilung? Wie sieht das denn bei dir so aus? Die meisten Teilnehmer stellten ihre aktuelle Aufteilung grob vor: Mit Festgeld, Bausparern, Aktien, ETFs bis hin zu Ackerland und Wald-Investments. Etwas, was wir dabei mitgekommen haben: Die Aufteilung entstammt in der Praxis nicht aus Büchern und Empfehlungen, sondern spiegelt in erster Linie die aktuelle individuelle Lebenssituation wieder. Im Themenfeld Portfolio-Aufteilung wurde auch die 3-Speichen-Regel angesprochen. Auch wieder mit dabei war das beliebte Thema Haus kaufen oder mieten und wir haben über die Frage „Investieren trotz Hypothek?“ gesprochen. Und überhaupt: bevor ich investieren kann, muss ich sparen. Wie steigere ich meine Sparrate? … und das möglichst ohne Beziehungsstress 🙂

Zum Finanzwesir

Neues Thema „finanzielle Selbstständigkeit“

Hallo an einem herrlichen Herbsttag!

Mein Blog erhält ab jetzt ein neues Thema: die finanzielle Selbstständigkeit. In diesem Zuge habe ich auch gleich eine neue Seite eingefügt, um neue Leser zu informieren, worum es hier denn eigentlich gehen soll: „Neu hier?

Bevor die ersten Beiträge zum Thema erscheinen, geht es erstmal Offline los: Am Dienstag, 24. Oktober 2017, trifft sich die autonome Zelle Kassel des Blogs finanzwesir.com. Wer dabei sein will, kann sich noch über Eventbrite registrieren. Das Treffen dient zum lockeren Austausch über alle Themen der Finanzwelt, vor allem „für Leute, die ihr Geld selbst anlegen„.

Feedback

Kennen sie ein Unternehmen, welches seine Wettbewerbsposition durch interne Feedback-Runden verbessert hat? Ich nicht. Kennen sie ein Unternehmen, welches seine Mitarbeiter durch interne Feedback-Runden verbessert hat? Ich nicht. Und ich kann mir auch keines vorstellen. Dabei ist Feedback durchaus wertvoll.

In den meisten Unternehmen wird Feedback als personenzentriertes Führungsinstrument institutionalisiert, als Teil von Mitarbeitergesprächen oder Feedback-Runden, 360-Grad Feedbacks, Peergoup-Feedbacks usw. Ein Teil der Bürokratie und nach innen gerichtet, auf den einzelnen Mitarbeiter oder die einzelne Führungskraft. Feedback-Instrumente, gesteuert durch ein sich verselbstständigtes Human-Ressource-Management. Einmal jährlich Transaktionskosten. Und jeder ist froh, wenn das wieder rum ist, sowohl der Feedback-Geber als auch der Empfänger.

Ich habe eine Vorstellung davon wie du sein sollst. Und auf der Basis gebe ich dir mein Feedback. Du sollst dich bitte anpassen, sodass du meinen Vorstellungen entsprichst, meinen unternehmenskonformen Vorstellungen. Alle im Gleichschritt – Kanten werden glattgebügelt. Differenzierung bleibt ungenutzt, wird eliminiert. Kennen sie einen Unternehmer, der durch Feedbacks erfolgreich geworden ist? In dessen Biografie in jedem Kapitel erwähnt wird wie wertvoll all das Feedback war, was ihm von früheren Vorgesetzten oder späteren Mitarbeitern gegeben wurde? Ich nicht!

Verbannen sie gesteuerte Feedback-Runden aus ihrem Unternehmen. Richten sie den Blick besser nach außen, auf den Markt. Denn das Feedback, welches vom Kunden kommt, was sie vom Markt bekommen, darauf kommt es an! Sorgen sie dafür, dass alle Mitarbeiter dieses Feedback erfahren. Zu jeder Zeit, direkt. Nicht gefiltert und verpackt.

Persönliches Feedback ist aber doch hilfreich, mag man jetzt einwenden. Ja, das denke ich auch! Wenn es direkt in einem Dialog auf Augenhöhe und in dem konkreten Kontext einfach situativ passiert. Dann darf jeder gerne Feedback empfangen und dies kann auch hilfreich sein und neue Erkenntnisse hervorbringen.

Schaffen wir das gekünstelte, institutionalisierte Feedback-Gespräch ab und sorgen wir dafür, dass wir möglichst viel Feedback vom Markt bekommen und sich eine Kultur entwickelt, in der direktes Feedback auf Augenhöhe die Zusammenarbeit in den Teams verbessert, die für den Kunden Wert schaffen.

Status

In Unternehmen geht es wie in der gesamten Gesellschaft immer auch um Status. Setzt sich der gesellschaftliche Status aus vielen Elementen zusammen und ist höchst subjektiv, wird in Unternehmen oft versucht zu formalisieren und zu objektivieren. Mit allzuoft negativen Folgen für Motivation und Teamgeist.

Welchen Status hast du in der Gesellschaft? Das ist nicht definiert. Zum Glück. Es kommt vielleicht auf deinen Beruf an, auf deine Familie, auf dein Verhalten, auf Vereinsmitgliedschaften, auf den Freundeskreis und vieles mehr. Und es liegt im Auge des Betrachters. In unseren Unternehmen hingegen soll dein Status auf einer Visitenkarte ablesbar sein? Wrong Turn.

Status ist nicht allen Mitarbeitern gleich wichtig. Es gibt die Mitarbeiter, denen es völlig egal ist, ob oder welchen Status sie „offiziell“ verpasst bekommen und es gibt Mitarbeiter, für die Anerkennung und Sichtbarkeit per formalem Status wichtig sind.

Oft ist der offiziell vergebene Status in Unternehmen an eine Jobfamilie geknüpft. So sitzt neben dir vielleicht ein Senior Software Developer oder ein Junior Database Developer oder ein Key Account Manager oder oder oder. Der Kreativität sind jedenfalls oft leider enge Grenzen gesetzt. Die Einstufung erfolgt oft durch den Vorgesetzten, der oft gar nicht mit dem Mitarbeiter ausreichend nah zusammenarbeitet.

Status

Komplett abschaffen? Vielleicht. Oder kreativ werden. Jetzt, in meiner Elternzeit, habe ich ein wenig Zeit für Dinge, die sonst auf der Strecke bleiben. Und so setzte ich mich für ein paar Runden Civilization an den Rechner, einem rundenbasierten Strategiespiel, welches mich inspirierte. Ich stellte fest, dass die Einheiten in diesem Spiel vielfältiger beschrieben werden als Kollegen im Job. Wahnsinn, oder? Anstatt jedem Mitarbeiter ein Status zu verpassen „du bist Senior Data Scientist“, können wir der Vielfältigkeit Rechnung tragen und verschiedene „Beförderungen“ kombinieren. Diese können neben fachlichen Aspekten auch weitere Kategorien bedienen. Es gibt nicht mehr den einen Jobtitel und genau die eine Karrierestufe. Der Mitarbeiter entwickelt ein individuelles Rollenportfolio aus. Für seine Stärken bekommt er „Items“ (z. B. „Beförderungen“ so wie es im Spiel heißt, aber der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt!). Vielleicht ein Goldabzeichen Datenbankentwicklung und ein Silberabzeichen Projektmanagement. Oder 3 Sterne Plakette C#-Entwicklung oder JavaScript-Kenntnisse oder eben für Kundenkommunikation, Projekterfolge, oder vieles mehr. Die Palette an Items kann sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Wie auch immer, wichtig ist noch, dass diese Items nicht von einem Vorgesetzten, sondern durch die unmittelbaren Kollegen vergeben werden, welche die Vergabe auch vertreten können.

So bleibt eine Anerkennung durch Status erhalten, ist sichtbar. Gleichzeitig gibt es keine glatte Rangfolge mehr (Junior, Senior, …). Die Vergabe erfolgt durch Mitarbeiter, nicht mehr durch Vorgesetzte. Die Stärken oder Erfolge der Mitarbeiter können in Mitarbeiter-Profilen sichtbar gemacht werden, Kompetenzen sind so vielleicht auch leichter auffindbar.

Verrückte Idee? Gibt es schon? Spannender Ansatz? Oder nur das alte System neu verpackt? Baut diese Art von Status Barrieren auf und steht einer engen Zusammenarbeit auf Augenhöhe im Wege? Oder kann die differenzierte Beförderung die Zusammenarbeit sogar fördern? Ich bin gespannt auf eure Meinung.

Mit lokaler Erfahrung zu besseren gemeinsamen Lösungen

In unserer Marktwirtschaft suchen viele Unternehmen ihr Glück, einige haben Erfolg, andere weniger. Doch welche Unternehmen bestehen und welche verschwinden vielleicht wieder? Und warum? Das kann man, wenn überhaupt, immer erst im Rückblick erkennen. Zu viele Umstände spielen eine Rolle, als das man das vorab wissen könnte. Wenn es anders wäre, dann gäbe es keine Börsen, an denen Spekulanten die neuen Stars zu finden versuchen und dabei auch oft genug scheitern.

Viele einzelne Unternehmen entstehen, konkurrieren, machen Dinge anders, setzen sich durch, halten mit oder gehen unter. Der Markt bereinigt sich von selbst und lässt die Unternehmen über, die zur Zeit funktionieren. Dabei weiß „der Markt“ vorher nicht, welche Unternehmen das sein werden. Wieso nutzen wir das Konzept nicht auch im Unternehmen?

Anstatt jedoch Unternehmen zu gründen, können wir in unseren Unternehmen Teams bilden, die cross-funktional besetzt, autonom und selbstorganisiert arbeiten. Diese Mini-Unternehmen versuchen ihr Glück am Markt, können erfolgreich sein und dürfen auch scheitern. Bei Misserfolg kann das Team zurückblicken und versuchen die Gründe auszumachen und zu lernen. Egal, ob erfolgreich oder nicht. Die Erfahrungen kommen dem Unternehmen zugute. Anstatt zentral eine einzige Lösung zu entwickeln und alles auf eine Karte zu setzen, gehen dezentrale Teams verschiedene Wege.

Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied zum Markt. Im Unternehmen selbst stehen die Teams nicht in Konkurrenz! Im Unternehmen gilt es Marktmechanismen auszuschalten. Die Teams kooperieren bei Bedarf. Es werden aber keine Leistungen verrechnet, das ist in der Regel Verschwendung. Scheitern Teams am Markt (warum auch immer), wird den Mitarbeitern nicht die Tür gezeigt. Sie nehmen ihre Erfahrungen mit, verstärken andere Teams oder treten erneut an.

Aus den vielen Erfahrungen der einzelnen lokalen Einheiten, lassen sich Erkenntnisse gewinnen über Dinge, die funktionieren. Eine Art der Organisation, eine Dienstleistung, die am Markt einschlägt, eine Technologie, die man vorher noch nicht ausprobiert hatte, … Alles das kann man teilen und in gemeinsamen Lösungen wiederverwenden.